Geschichte der Kirche

Küsnacht und die Reformierte Kirche haben eine lange Geschichte.
Kirche 1742 —  Kirche und Amtshaus mit Dorfbach. Stich von David Herrliberger, 1742<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkk.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>50</div><div class='bid' style='display:none;'>195</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>

Ecclesia de Chussennacho

Am 30. Mai 1188 unterzeichnete Papst Clemens III. eine Urkunde, in der dem Grossmünster zu Zürich verschiedene Rechte bestätigt wurden, unter anderem an der Kirche zu Küsnacht, der Ecclesia de Chussennacho (die Schreibweise mit einem doppelten -n- taucht hier zum ersten und zum letzten Mal auf). Diese Urkunde ist die erste datierte Nachricht über die Küsnachter Kirche und damit über die Ortschaft Küsnacht.

Wohl existiert eine etwa 40 Jahre ältere Urkunde, in welcher der Name Küsnachts auftaucht, doch ist diese zeitlich nicht genau einzuordnen. Chussennachum oder Chussennachus ist die älteste fassbare Form unseres Ortsnamens; im frühen 15. Jahrhundert taucht dann das dem heutigen Ortsnamen näher verwandte Küssnach auf, und 1418 liest man erstmals das heutige Küsnacht.

Das T-Anhängsel kam also relativ spät dazu, womit aufzuzeigen ist, dass unser Ortsname ursprünglich ein -ach-Name ist, wie er im deutschen Sprachgebiet häufig anzutreffen ist. Die Mehrzahl dieser auf -ach endenden Ortsnamen ist alemannischen Ursprungs, wobei die Endung mit «Wasser» zusammenhängt. Nicht selten sind indessen auch jene Ortsnamen, deren Endung auf - ach römische Herkunft angeben. Das -ach geht dann auf das lateinische -acus zurück, welches die adjektivische Endung eines Eigennamens bedeutet.

In unserem Falle geht Chussennachum auf Cossiniacus zurück, genauer auf Fundus Cossiniacus, das Gut des Cossinius. Diese Deutung hing lange in der Luft, weil Spuren römischer Siedlung in Küsnacht nicht nachzuweisen waren. Die Theorie wurde zur Gewissheit, als vor Jahren im Amtsäger auf der Allmend die Spuren eines grossen römischen Gutshofes entdeckt wurden; diese römischen Siedlungsspuren zu erforschen, ist eine Aufgabe, der sich die Gemeinde Küsnacht gelegentlich annehmen sollte. Diesem römischen Gutshof dürfte es ergangen sein wie Hunderten im Gebiet der heutigen Schweiz. Nach einer Zeit der Blüte folgte der Niedergang der römischen Macht und damit des Eindringen germanischer Stämme in unser Gebiet.

Auch unser Gemeindegebiet fiel in die Hände der Alemannen, die indessen als Siedlungsgebiet nicht wie die Römer die erste Terrasse über dem Seeufer bevorzugten, sondern auch am See unten sesshaft wurden, Den Namen Fundus Cossiniacus übernahmen sie, aber es dauerte mehr als anderthalb Jahrtausende, bis die Zusammenhänge zwischen dem heutigen Küsnacht und jener fernen römischen Zeit erkannt wurden.

Die 1188 genannte Ecclesia de Chussennacho muss bereits damals schon während längerer Zeit bestanden haben. Es ist anzunehmen, dass bereits im 10. oder im 9. Jahrhundert hier ein Gotteshaus stand, wenn nicht schon früher. Genaues weiss man nicht, weil zum einen urkundliche Belege fehlen, zum anderen die Archäologie bisher nicht zu Rate gezogen werden konnte.

Die archäologische Bodenforschung ist ja nicht nur für die Urzeit und vielfach auch für die römische Epoche, sondern namentlich für das frühe Mittelalter die einzige Quelle, aus der historische Kenntnisse zu schöpfen sind. Indessen: Während für andere Kirchen in unseren Landstrichen oftmals eine weit zurückreichende Kontinuität nachgewiesen werden kann - drei oder vier Vorgängerkirchen werden für manche romanische oder gotische Kirche aufgezeigt -, fehlen in Küsnacht solche Zeugnisse völlig. Denkbar ist immerhin, dass sich bei einer genauen archäologischen Untersuchung des heutigen Choruntergrundes solche Zeugnisse finden liessen, zumal die Archäologie heute mit ungleich feineren Methoden arbeitet, als das zur Zeit früherer Kirchenrenovationen möglich war.

Text aus «Kleine Chrokik von Kirche und Kirchgemeinde Küsnacht» (800 Jahre Kirche Küsnacht), verfasst von Hans Schnider