Konflager 2021

Eine Konfirmandin berichtet...
Zora Bachmann
Unsere Reise begann am früheren Morgen am Bahnhof Küsnacht am Montag, 3. Mai 2021.
Geplant: eine Pilgerwanderung von etwa 70 Kilometern – in dreieinhalb Tagen. Auf dem Programm standen also täglich 20 km. Auch musste jede und jeder schon im Voraus auf alle möglichen Wetterbedingungen gefasst sein, denn uns sollten in den kommenden Tagen nicht nur Sonnenschein und etwas Wolken erwarten…

Wir waren eine kleinere Gruppe von 10 Konfirmand*innen und zwei Leitenden. Unsere Wanderung begann offiziell auf dem Uetliberg. Das Tagesziel war das Kloster Kappel am Albis. Offengesagt zog sich der Weg bis dorthin sehr in die Länge, aber es spielte keine Rolle, da es nicht an Gesprächsthemen mangelte. Dort angekommen bekamen wir eine sehr umfangsreiche Führung und erhielten einen ausführlichen Einblick in die Geschichte der Menschen, die mit dem Kloster involviert waren. Darunter auch Ulrich Zwingli. Erfrischt ging es am nächsten Morgen weiter nach Unterägeri am Ägerisee. In unserem Hotel kamen wir nach so vielen Wiesen, Hitze und Wurzeln sehr ermüdet an. Zu unserem Glück erwartete uns jedoch ein drei-Gang-Menu zum Abendessen und ein Fernseher in unseren Hotelzimmern.

Am darauffolgenden Tag wanderten wir weiter bis zum Kloster in Einsiedeln. Diese Strecke wird mir wahrscheinlich am längsten in Erinnerung bleiben. Denn es war nicht nur neblig, windig und regnerisch, sondern es schneite und hagelte teils auch. Halt typisches Wetter für einen Horrorfilm. Und auch die Location passte, denn wir wanderten durch düstere Wälder und eine moorähnliche Landschaft. Auf unserem Pfad gingen wir auch an einer grusligen, verlassenen Hütte vorbei, wo wir einige bedenkliche Funde machten wie beispielsweise einen pinken Kinderrucksack ohne auffindbaren Besitzer. Als wir schlussendlich in Einsiedeln ankamen, besuchten wir natürlich auch das Kloster und den Dönerladen.

Am letzten Tag unserer Reise machten wir uns auf den Weg zu unserem Endziel, den Bahnhof in Rapperswil. Wir kamen dann am frühen Nachmittag wieder in Küsnacht an.

Neben dem Wandern selbst unterhielten wir uns über die unterschiedlichsten Themen. Wir befassten uns beispielsweise mit «Mut», «Weite und Enge» und «Rhythmus», aber auch mit Zwingli, dem Klosterleben und «Werwölfle».

Um ehrlich zu sein, hatte ich zu Beginn die ganze Wanderung ziemlich unterschätzt. Ich hätte niemals gedacht, dass es so anstrengend sein könnte, so viele Kilometer an einem Tag zurückzulegen. Dabei waren es nicht die Muskeln, die mit der Zeit langsam schwächelten, es waren vielmehr die Füsse, die bei jedem Schritt einfach nur wehtaten aufgrund der Blasen. Dazu kamen noch die Rückenschmerzen von den vollgepackten Rucksäcken. Doch mit den Tagen verschwanden die Schmerzen, oder bessergesagt, man hatte sich an sie gewöhnt.
Zugegebenermassen machten mich diese Schmerzen sogar ein wenig stolz als wir abends todmüde bei unseren Unterkünften ankamen. Denn die Ankunft in den Herbergen und das Gefühl unter der Dusche zu stehen, war sehr erleichternd und entspannend. Es fühlte sich eine Art wie ein Sieg an.

Ein Highlight war auch, dass man so viel Neues über die anderen erfahren konnte und sich einfach wohl in der Gruppe fühlte. Zu Beginn hatte ich die Befürchtung, dass sich vielleicht nicht alle miteinander verstehen, aber das stellte sich als fasch heraus. Ich hatte das Gefühl, dass die Gruppe sehr gut harmonierte und immer bestens gelaunt war, ging es gerade nicht steil bergauf. Zudem machten die Abende, die alle zusammen verbrachten, wahrscheinlich am meisten Spass.

Wir Konfirmandinnen und Konfirmanden können also von Glück reden, dass das Konfirmationslager trotz Corona stattgefunden hat, denn es war ein ganz neues und unvergessliches Erlebnis. Diese Reise half mir den Kopf zu lüften und den Alltag zu vergessen. Wir konnten die unterschiedlichsten Aussichten geniessen und wurden in gewisser Weise auch abgehärtet. Persönlich finde ich, dass es auch cool gewesen wäre, hätte es noch ein oder zwei Tage länger gedauert. Ich würde eine solche Pilgerreise mit dieser Konfirmationsgruppe jederzeit wieder machen.
Im Nachhinein kann man wohl sagen, dass das diesjährige Konflager etwas von den bisherigen abweicht, aber es trotzdem mega Spass gemacht hat und interessant war.