

Abschluss der Aussensanierung Kirche
Nach Rücksprache mit dem bauleitenden Architekten kann die Kirche
ab Montag, 3. Dezember 2012 wieder im gewohnten Rahmen und zu den üblichen Zeiten für Abdankungen genutzt werden.

Aussensanierung Kirche: romanisch, neugotisch oder Landi-Stil?
Die reformierte Kirche Küsnacht, die zur ehemaligen Johanniterkomturei gehörte, wurde 1188 erstmals erwähnt. Die ursprünglich einschiffige, romanische Anlage wurde über die Zeit durch zahlreiche Erweiterungen und Renovationen verändert.
Bis heute sind Zeugnisse von ganz unterschiedlichen Epochen und Stilen erhalten geblieben.
Eine letzte wesentliche äussere Veränderung erfuhr die Kirche bei der Aussensanierung von 1948. Dabei wurden die neugotischen Stilelemente des Umbaus von 1886 weitgehend entfernt. Das äussere Erscheinungsbild der Kirche wurde entsprechend der Innenrenovation von 1939 «purifiziert». Sie erhielt einen für die damalige Zeit üblichen Kellenzugputz, der nicht gestrichen war. Mit dem relativ groben Putz und dem Freilegen der Sandsteinbossen beabsichtigte der damalige Architekt Karl Knell der Jüngere, der Kirche einen archaischen, der romanischen Anlage nachempfundenen Ausdruck zu verleihen.
1984 erfolgte die letzte Renovation. Der bis anhin ungestrichene Aussenputz wurde der Materialfarbe des bis anhin unbehandelten Putzes entsprechend grau gestrichen. Leider war die Qualität der Farbe ungenügend, was zu den heute sichtbaren rötlich-gelben Verfärbungen führte. Infolge des mangelhaften Farbanstriches ist auch der Deckputz an mehreren Stellen abgeplatzt. Deshalb hat die Kirchgemeinde entschieden, den Deckputz zu ersetzen, um die Aussenhülle erst
in 20 bis 25 Jahren wieder sanieren zu müssen.
Bei den heute anstehenden Arbeiten stellte sich die Frage, wie mit der Aussensanierung von Karl Knell d. J. umgegangen werden soll. Bald zeigte sich, dass für einen Rückbau in den Zustand wie vor der Sanierung 1948 zuviel Substanz verloren gegangen war. Die abgebrochene Giebelwand zwischen Chor und Schiff, der zurückgespitzte profilierte Dachrand und die überputzten Einfassungen bei den Kirchenfenstern konnten infolge mangelnder Unterlagen nicht mehr rekonstruiert werden. Gegen einen Rückbau sprach auch der Umstand, dass die mit Holzschindeln verkleideten Schlepplukarnen, der 1948 angefügte Windfang, die Sockelverkleidungen aus Sandstein und der Kellenzugputz eine gestalterische Einheit bilden, welche die äussere Erscheinung massgeblich prägen.
Aufgrund dieser Überlegungen wurde der Entscheid getroffen, den Putz beim Kirchenschiff in identischer Art zu ersetzen. Die unregelmässigen Ecklisenen beim Chor werden farblich dem Kellenzugputz angepasst, damit das Erscheinungsbild
beruhigt wird. Wenn möglich soll der neue Putz wie bei der Aussensanierung von 1948 nicht gestrichen werden. Anhand von Putzmustern wird in den nächsten Wochen überprüft, ob dies zu einer befriedigenden Gesamtwirkung führt. Ansonsten wird der Kellenzugputz mit einer Kalk- oder Silikatfarbe gestrichen. Eine äussere Veränderung erfährt der Turm, bei dem die neugotischen Stilelemente noch weitgehend erhalten sind. Der Turm erhält einen feineren Putz und wird im Vergleich zum Kirchenschiff etwas heller gefasst.
Im Herbst wird dann die reformierte Kirche Küsnacht wieder in einem frischen Kleid erscheinen, ohne dabei ihre Eigenheiten verloren zu haben. Der genaue Beobachter wird aber feststellen können, dass sich kleine Details verändert haben und die Kirche wieder stärker als Einheit erscheint.
Kaspar Fahrländer, bauleitender Architekt,
unter Mitarbeit von Roger Strub, Kantonale Denkmalpflege Zürich
Fotos der Kirchendachsanierung


