Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Berichte    

Seit einem knappen halben Jahr arbeite ich in Ihrer Kirchgemeinde als Sozialdiakonin in den Ressorts «Er wachsene» und «Senioren». Die freund liche Aufnahme durch die Mitarbeitenden und die Kirchenpflege ermöglichte mir einen guten Start. Unterdessen konnte ich an verschiedenen Anlässen und Veranstaltungen vielfältige Kontakte knüpfen und beglückende Begegnungen erleben.Ich wohne in Rapperswil und geniesse täglich die Zugfahrt dem See entlang. Dabei vertiefe ich mich in Bücher und Zeitungen, lasse den Blick über die Landschaft schweifen, nehme Mit reisende wahr und bewege Gedanken dazu.Ein Text von Hilde Domin beschäftigt mich immer wieder:

Ziehende Landschaft

Man muss weggehen können und doch sein wie ein Baum: als bliebe die Wurzel am Boden, als zöge die Landschaft und wir ständen fest. Man muss den Atem anhalten, bis der Wind nachlässt und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt, bis Licht und Schatten, von Grün und Blau, die alten Muster zeigt und wir zuhause sind, wo wir zuhause sind, wo es auch sei und niedersitzen können und uns anlehnen, als sei es ein Grab unserer Mutter. (Gesammelte Gedichte, Frankfurt a.M. 1987)

Geboren und aufgewachsen in einer grossen Bauernfamilie im Toggenburg, begleiten mich Landschaften und Wege ganz besonders. Früh einmal hiess es Weggehen, und so absolvierte ich als erste Ausbildung die Buchhändlerinnenlehre in St. Gallen. Dabei entdeckte ich die Freude an der Literatur und an der Kirchengeschichte und verbrachte auch ein erstes Berufsjahr in der Gallusstadt. Im kleinen Toggenburger Dorf Ganterschwil knüpfte ich in der Sonntagschularbeit und in Konfirmandenlagern die ersten Kontakte zur Freiwilligenarbeit in der Kirche.

In London lernte ich in internationaler Umgebung Englisch und genoss das reiche Kulturangebot. Zurück in der Schweiz absolvierte ich Sozialeinsätze im Pflegebereich und über längere Zeit in einem Jugendzentrum. Es folgten interessante Berufsjahre im Buchhandel im Engadin, wo ich die Freude am Bergsteigen entdeckte und mich in der kirchlichen Kinder-und Jugendarbeit engagierte.

weggehen können…und doch sein wie ein Baum…

Als zweite Berufsausbildung besuchte ich während drei Jahren das Theologisch-Dia konische Seminar in Aarau und schloss diese Höhere Fachschule mit dem Diplom als Sozialdiakonin ab. Mit viel Theorie im Kopf, Motivation im Herzen und Büchern und Ordnern im Gepäck trat ich meine erste Stelle als Sozialdiakonin in St. Imier im Berner Jura an. Im Kontakt mit «jeunes filles» im Welschland, Bauern auf den Jurahöhen und Arbeitenden in der Uhrenindustrie an der Sprachgrenze beschäftigte mich die Frage nach Heimat und Wurzeln weiterhin. Wie weit kann eine Kirche denn Heimat und Geborgenheit geben?

weggehen können… als bliebe die Wurzel…

1982 heirateten wir in Wien, wo mein Mann damals in der Jugendarbeit tätigwar. Ich trat in den Dienst der Evangelisch-Lutherischen Kirche ein und lernte die Aufgaben und das Leben in einer Millionenstadt kennen: soziale Nöte, kirchliche Entfremdung, Diaspora, Vereinsamung, Anonymität, aber auch österreichische Gemütlichkeit, kulturelle Vielfalt, lebendige Ökumene, viele Freundschaften und Verbundenheit, die ich bis heute pflege – ein Zuhause!

weggehen können… als zöge die Landschaft…

Als junge Familie zogen wir nach Davos, das uns in den letzten 24 Jahren zur Heimat wurde. Erst engagierte ich mich in der Freiwilligenarbeit und unterrichtete dann während 17 Jahren mit viel Freude Religionsunterricht auf allen Stufen. Zu den prägenden Erfahrungen gehören die verschiedenen Lager- und Ferienwochen mit Konfirmanden, Jungschar und Kirchgemeinde, die mein Mann und ich gemeinsam leiteten. Daneben übernahm ich Stellvertretungen in den Nachbargemeinden und leitete Kurse in der Erwachsenenbildung. Zudem bin ich Mentorin für Sozialdiakone in Ausbildung.

weggehen können… bis der Wind

nachlässt… und wir zuhause sind…

In Aarau und in den Kantonen St. Gallen und Graubünden arbeitete ich in der Folge als Sozialdiakonin in der Senioren-, Frauen-, Sozial- und Freiwilligenarbeit, im Besuchsdienst und in der Seelsorge. Zu meiner Familie gehören mein Mann Christopher, Sozialdiakon und Gerontologe in Rapperswil-Jona, und drei erwachsene Kinder, zum Teil noch im Studium zwischen Zürich, Winterthur und Davos.In meiner Freizeit lese ich, pflege freundschaftliche Kontakte, schwimme im See und wandere über Berge und Hügel, durch Täler und weite Landschaften. Ich freue mich, hier in Küsnacht eine weitere interessante berufliche Herausforderung whrnehmen zu können. Dankbar ud glücklich bin ich über die vielfältigen ufgaben und Kontakte, und ich freue ich, auch Sie kennen zu lernen. Herzlich illkommen zu den verschiedenen Veranstaltungen, an meinem Arbeitsplatz im Jürgehus, am Telefon oder unterwegs!

…wo wir zuhause sind… wo es auch sei…

Auch in der schönen Kirche, wo ich in Gottesdienst und stiller Andacht Gottes Kraft erfahre.

Martha Wellauer-Kuratli, Sozialdiakonin

 
Newsletter abonnierenBitte E-Mail Adresse eingeben:

Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich