

«Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust»
«Was macht denn eigentlich ein Kirchenrat?» ist die wohl häufigste Frage, die mir seit meiner Rückkehr aus dem Studienurlaub gestellt wird: hier mein Antwortversuch.Der siebenköpfige Kircherat ist als Exekutive die oberste leitende und vollziehende Behörde unserer Landeskirche. Er wird jeweils von der Kirchensynode als Legislative für vier Jahre gewählt. Ausser dem Präsidenten arbeiten alle Mitglieder des Kirchenrates im Nebenamt.
Für das Küsnachter Pfarramt bleibt mir so, Gott sei Dank, immer noch viel Zeit: fortan sind es 70 Prozent, die ich mit Freude für Sie da bin. Und auch die 30 Prozent fallen nicht einfach weg, sondern werden vom Kirchenrat im Rahmen einer Aufstockung der ehemaligen Stelle von Pfarrer Thomas Habegger ersetzt. Jedes Mitglied des Kirchenrates hat neben übergreifenden Aufgaben auch die Verantwortung für ein Ressort der Gesamtkirche. Bei mir sind dies die sogenannten «Gemeindedienste ». Der Name deutet die Richtung an – die meisten der einzelnen Fachstellen dienen den Kirchgemeinden: Gottesdienst und Musik, Gemeindeaufbau, Gemeindediakonie, Besuchsdienst, Ökumene, Mission und Entwicklung sowie die Behördenschulung und -beratung. Weiter gehören zu den Gemeindediensten auch die Ehe-, Paarund Lebensberatung, die Bahnhofkirche, das Flughafenpfarramt sowie die Jugendkirchen
in Zürich und Winterthur.
Der einzige Gemeindepfarrer im Kirchenrat zu sein, bedeutet für mich somit nicht nur eine zusätzliche Aufgabe, sondern auch eine Chance der Vernetzung. Denn viele Beschlüsse des Kirchenrates betreffen die Kirchgemeinden. Dabei ist es mir ein Anliegen, eine Seelenverwandschaft zwischen Gemeindepfarramt und Kirchenrat zu pflegen, meine «Pfarrerseele» und meine «Kirchenratsseele» nicht, wie in Goethes Faust, sprichwörtlich auseinanderstreben zu lassen, sondern in eine fruchtbare Balance zu bringen. Besonders aktuell im Ressort Gemeindedienste sind zur Zeit Fragen der Gemeindediakonie. Neben Entscheidungen zur Stellung der sozial-diakonisch Mitarbeitenden geht es um die Diakonie an sich. Die Herausforderung besteht darin zu klären, was Diakonie als «helfendes Handeln» der Kirche für die 181 Kirchgemeinden im Kanton Zürich konkret bedeutet. Auch für Gemeinden, die viel kleiner sind als Küsnacht, gilt es Wege zu finden, Diakonie neben Gottesdienst und Bildung als drittes Handlungsfeld zu verorten. Wie kann eine Kirche das Gute nicht nur predigen, sondern auch als direkte Hilfe umsetzen? Wie zeigt sich die «Kirche des Wortes» immer wieder neu als eine «Kirche der Tat»?
Durch Besuche vor Ort erlebe ich zudem in der Bahnhofkirche oder in der Flughafenkirche auf exemplarische Art, wie wichtig kantonale Spezialpfarrämter sind: Religiöse Bedürfnisse verändern sich und wachsen über Gemeindegrenzen hinaus. Vielleicht schauen Sie dort einmal selber vorbei? Auch das ist «Ihre Kirche»... Dieser kurze Einblick in mein neues Nebenamt lässt Sie möglicherweise mein tägliches Gebet erahnen – denn «zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust», aber ich will keine von der anderen trennen.
Pfarrer Andrea Marco Bianca
DominoIm kirchlichen Bereich stehen Angebote für Kinder verschiedenen Alters zur Verfügung: vom Gottesdienst für die Kleinsten (Chilemuus) über Kolibri für Kindergarten- und jüngere Primarschüler bis hin zu den Angeboten der Jugendarbeit. Eine Lücke in dieser breiten Palette klaffte für die Kinder der fünften und sechsten Klasse. Seit Januar ist sie geschlossen: «Domino» heisst unsere neue Veranstaltung, welche in den Freiwilligenbereich des religionspädagogischen Gesamtkonzeptes rpg integriert ist.
Da sich die elf- und zwölfjährigen Kinder zeitweise gerne unter ihresgleichen aufhalten, haben wir das Juka je einen Mittwochnachmittag pro Monat für die Mädchen und für die Knaben reserviert. In diesen geschlechtergetrennten Gruppen wird gebastelt, gekocht, diskutiert und gespielt. Die Kinder lernen aber auch die Pfarrpersonen kennen und die sozial-diakonische Mitarbeiterin für Kinder- und Jugendarbeit. Mit diesem Angebot wird eine weitere Möglichkeit geschaffen, in der Kirchgemeinde beheimatet zu sein.
Die Mädchengruppe wurde vom ersten Monat an rege besucht, während sich die Knaben eher spärlich und in den letzten Monaten gar nicht mehr zeigten. Offenbar haben Knaben eben nicht die gleichen Bedürfnisse wie Mädchen. So werden wir den Versuch bis Ende Jahr interessiert weiter verfolgen und dann entscheiden, ob wir die Knabengruppe wieder aufgeben müssen. Wir möchten Sie ermuntern, einmal herein zu schauen – beachten Sie bitte die Hinweise im «info».
