

Zeit der Ernte
Es gibt immer noch Sonnenblumen... da und dort. Es ist, wenn auch schon Herbst, immer noch Sommer, Altweibersommer – mit warmen Tagen nach kühlem, nebligem Morgen, mit goldenem Licht vor der frühen Dunkelheit. Es ist eine Zeit von unendlicher Fülle – im Grossen und Kleinen, im Innern und um uns her. Die Trauben im Weinberg, die Äpfel am Baum, unzählige Samen, Körner und Kerne – denken Sie nur an das Gesicht einer Sonnenblume – und die Gedanken, Erinnerungen, Bilder in uns.Alles, was wir betrachten, ruft sie hervor. Alles, was geschieht, löst etwas aus. Auf alles, was uns begegnet und zu uns spricht, geben wir Antwort. Und vieles wird zum Gleichnis – manches sogar für die himmlische Welt. So ist es in der Natur und mit allem. Ich habe in einem kleinen Museum auf einer schottischen Insel gelesen: «Von diesen Dingen steigen Geschichten und Gesang auf wie Rauch vom Feuer. Das Kostbarste aber in ihnen ist unsichtbar: Deine Antwort darauf, die gehört dir.»
Deine Antwort gehört Dir. Alles, was mir etwas sagt und in mir Antwort gibt. Alles, was ich sehe und dadurch erkenne. Alles, was mir aufgeht und in mir aufbricht, und auch, was ganz allmählich, ganz im Verborgenen, wächst und reift… All das gehört mir. Es ist unvergänglich und unerschöpflich. Das erinnert an Saat und Ernte. Aufbrechen und Aufgehn, Wachsen und Reifen... und die Früchte, der Segen - und der innere Gewinn. Und aus wenig wird viel: Die Saat trägt dreissig-, sechzig- und hundertfältig, und das kleine Senfkorn wird zum grossen Busch und Baum. Und an den Bäumen «Früchte die Fülle», wie es biblisch heisst. Ich erinnere mich an einen geschenkten Tag in der Apfelernte, in der weiten Landschaft an der Thur. Bäume mit Früchten in unglaublicher Fülle, Staunen, Freude und Müdigkeit. Ich nahm mir viel Zeit, beschaulich zu sein – nahm manchen Apfel in die Hand, um ihn anzusehn: Wie gross und schön, wie rot und grün und gelb – und wie dunkelgrün die Blätter am kleinen Zweig. Und ich habe auch über die Felder gesehen, auf denen all diese Bäume stehen, – und ab und zu auch zum Himmel aufgesehn. Der Blick in die Weite macht die Seele weit – über die Felder, in den Bergen, am Meer.
Steine, bunte Blätter und Muscheln suchen, Äpfel und Birnen und Trauben ernten – und Eicheln, Kastanien und Bucheckern im Wald. All das birgt die Erinnerung ans Paradies.
Im Herbst ist die Sehnsucht danach ein wenig stärker zu spüren. Wenn der Wind unruhig macht und die Vögel nach Süden ziehn... Dass auch wir einst Gottes Ernte sind... Auch dieses Bild kann man betrachten wie einen Apfel in der Hand – und einen zeitlosen Moment beschaulich und nachdenklich sein. Und alles, was uns dadurch aufgeht, und alles, was in uns Antwort gibt, das ist uns geschenkt und gehört uns für immer.
Pfarrer Brigitte Crummenerl
ÜberbrückungAls Überbrückung bis zu den Neuwahlen der Kirchenpflege und zur ordentlichen Wahl des oder der neuen Präsidenten oder Präsidentin führe ich nun das Team der Kirchenpflege, Pfarrer, Mitarbeitenden und Freiwilligen.Die Zeit ist kurz – Neuwahlen der Kirchenpflege im März und Bestätigungswahlen unserer Pfarrer im Mai sind nebst vielem anderen jetzt rasch anzugehen. Als Zielvorgabe stehen Beruhigung und die Bereinigung der Pendenzen an. Aber es gilt auch das Menschliche und das Zwischenmenschliche zu werten. Viele rein persönliche Angelegenheiten spielen eine oft unterschätzte Rolle im Berufsleben, und manches kommt erst nach mehreren langen Gesprächen zum Vorschein. Bei diesen Gesprächen kommt mir oft die Benediktinische Ordensregel in den Sinn: «So halte er in allem Mass, damit der Starke finde, wonach er verlange, und der Schwache nicht davonlaufe » (Benediktusregel, Kap. 64, der Abt).Ich wünsche Ihnen, unserer Kirchgemeinde und unserem Team eine gute, ruhige Zeit.Christoph Schweiss, Vizepräsident
