Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» Oktober 2004
 

Der ultimative Bibeleintopf

Liebe geht durch den Magen, sagt das alte Sprichwort. Das Essen wird in einen Zusammenhang gebracht mit den höchsten der Gefühle. Erdhaftes und Flüchtiges, Körper und Seele gehören zusammen.

So ist es nicht verwunderlich, dass das auch mit der Bibel so ist. Paulus weiss wohl, was er wem wie zu geben hat. Den Korinthern gab er auf seiner Mission vorerst «Milch» zu trinken, da sie «feste Speise» noch nicht vertragen konnten (1.Kor. 3,2). Und trotzdem haben sich nicht wenige die Zähne ausgebissen an den Worten des Apostels und seiner Botschaft. Anderen wurde sie zum Freudenmahl und Nahrung auf der Lebensreise.

Die bildhafte Rede vom Essen und der Glaube gehören also irgendwie zusammen. Im Abendmahl wird das am deutlichsten sichtbar. Die beiden  zugrundeliegenden Elemente tauchen auch im Kirchenjahr auf. Das eingebrachte Getreide ist seit jeher Symbol für die «Sichlete» respektive das Erntedankfest im Herbst. Der Dank, dass eine Ernte unter Dach und Fach gebracht werden konnte und Brot gebacken werden kann, ist auch heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Im Oktober, dem Weinmonat ist die «Wümmet» oder «Läset» angesagt. Die reifen Trauben in den Rebbergen werden geerntet.

Als Kind ging ich auch jeweils für eine Woche zu einem Weinbauern am Bielersee. Es war eine richtige Freude, die vollen roten Trauben zu ernten. Die Zeit verging schnell, wir hatten es immer lustig. Und dann ein Höhepunkt: Das kräftige Znüni mit Brot, Käse und heissem Tee, der dank einem «Gutsch» Rotwein ein ganz besonderes Aroma erhielt.

Nach ein paar Tagen war unsere Arbeit getan, die Trauben wurden weiter verarbeitet. Zuerst gepresst, der Saft gefiltert und abgefüllt in grosse Holzfässer. Durch Gärung verwandelt sich der vormals süsse Traubensaft ganz unmerklich in Wein und er wird gekeltert.

So geht es wohl auch mit unserem Glauben. Er ist nicht einfach da, sondern wandelt sich. Er benötigt seine Zeit zu wachsen, zu gedeihen. Die Pflege ist uns überlassen, aber das Geheimnis der Verwandlung vollbringt ein Anderer. Für genügend Nahrung ist gesorgt. Probieren Sie es einmal aus mit dem folgenden Rezept:

Man nehme:
2 Liter Johannes 4,7
2-3 Teelöffel Matthäus 5,13
eine Prise vom dritten Gewürz aus Matthäus 23,23
1 Kilogramm Numeri 11,5 (gemischt)
250 Gramm Matthäus 22,4
150 Gramm Lukas 15,16
falls vorhanden: ein paar Hebräer 4,12.

Das Ganze lasse man dann 1 Stunden köcheln.

Zur Steigerung des Bouquets füge man hinzu:
150 Gramm vom dritten aus Lukas 11,42
(was der Garten so hergibt oder wonach es den Gaumen verlangt)
mit 1,5 Deziliter Johannes 2,3 abschmecken.
Gourmets fügen noch das zweite aus Matthäus 23,23 hinzu.

Dazu serviere man Johannes 6,26 in ausreichender Menge.

Viel Erfolg und einen guten Appetit wünscht

Pfarrer Thomas Habegger

 

Offene KircheDie Reformierte Kirche Küsnacht ist von morgens um acht bis abends um acht Uhr (im Winter bis sechs Uhr) für jedermann zugänglich. Sie soll ein Haus mit offenen Türen sein. Wie wohltuend ist es gerade in der heutigen hektischen Zeit, wenn man sich noch irgendwo an einen Ort der Stille zurückziehen kann.
Die drei Glasfenster des Bündner Künstlers Jan Casty im Chor schaffen eine wunderbare Stimmung. In aller Ruhe kann man sich in eines der Bilder vertiefen. Das linke Fenster zeigt die Taufe Jesu durch Johannes, das mittlere die Auferstehung und das rechte Jesus im Garten Gethsemane. Die einfachen Formen, die beruhigenden Blautöne, das leuchtende Rot und Gelb regen zu eigenen Gedanken an.

Gegenwärtig kann das Kirchgemeindehaus wegen Umbaus nicht benützt werden. Deshalb müssen mehr Aktivitäten in der Kirche stattfinden. Dabei zeigt sich, dass sich der Chor der Kirche bestens für vielfältige Nutzungen eignet. Der gut besuchte Dankes-Apéro für die freiwilligen Helfer in der Kirchgemeinde und der Neuzuzüger-Zmorge sind eindrückliche Beispiele dafür.

Auch verschiedene Gemälde- und Fotoaustellungen haben im Chor der Kirche stattgefunden und zahlreiche Interessenten angezogen. Im September findet eine Ausstellung zu Thema «Vater unser» statt. Auch sie wird hoffentlich wieder ein Publikum anziehen, das weit über den Kreis der üblichen Kirchgänger hinausgeht.

Heidi Ringli
Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich