

Sogenannt festlose Zeit
Im evangelischen Kirchenjahr ist zwischen dem Dreifaltigkeitsfest nach Pfingsten und dem Ewigkeitssonntag Ende November die sogenannte festlose Zeit. Nach all den Feier tagen grauer kirchlicher Alltag?Keineswegs!
Mag auch der ursprüngliche Sinn sein, dass nun wachsen und reifen soll, was an all den vergangenen Feiertagen (Ostern, Auffahrt, Pfingsten) gesät wurde, (was auch die grüne liturgische Farbe an den Kanzeln und auf den Altären in den lutherischen und katholischen Kirchen symbolisiert) - Mag den Zyklen der Heilsgeschichte (Advents- und Weihnachtszeit, Passions- und Osterzeit) im 2. Teil des Kirchenjahres nun bewusst eine Brachzeit folgen - Mag auch die Botschaft von Trinitatis, dem Fest der Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit, so komplex und schwer verständlich sein, dass man sie an all den kommenden Sonntagen, die danach gezählt werden, bedenken und im Herzen bewegen soll - So ist die Sommer-, Herbst- und Ferienzeit, in der viele kleine und grössere bunte Feste den Alltag durchbrechen, auch im Kirchenalltag alles andere als grau. Und der August ist ein besonders gutes Beispiel dafür, feiern wir doch nur schon, zum Beispiel, drei besondere Gottesdienste: den ersten am 1. August, um uns am Nationalfeiertag zwischen Kanonenschüssen und Frühstück ökumenisch auch auf die himmlische Heimat zu besinnen, um dann den Tag am Abend mit Festrede, Musik und Gesang, mit Feuerwerk und Höhenfeuer zu be schliessen. Den zweiten zu Beginn des neuen Schuljahres, zu dem nicht nur die Kleinen, die dem allerersten Schultag gespannt entgegen fiebern, mit ihren Familien eingeladen sind, sondern auch alle anderen, für die ein neues Schuljahr oder mit dem Übertritt in eine andere Schule oder in die Lehre sogar ein neuer Lebensabschnitt beginnt, und wir alle, die unsere Kinder und Jugendlichen begleiten und die wir alle unsere Erinnerungen an den ersten Schultag haben und sie im Anschluss an den Gottesdienst beim Kirchenkaffee austauschen können. Der dritte Festgottesdienst scheint wieder einem weltlichen Fest zu folgen, und doch war es ursprünglich umgekehrt: Chilbi, Kirmes. Händler und Schausteller kamen zum Kirchweihfest, und das Wort Messe bekam mit der Zeit auch einen weltlichen Sinn. Heute gehen wir mit unserem Gottesdienst wieder dorthin, wo die Menschen wegen der Chilbi zusammen gekommen sind: ins Zelt – und lassen uns daran erinnern, dass wir ein wanderndes Gottesvolk sind. Das spiegelt sich auch in anderen kirchlichen Anlässen: Auch da gehen wir hinaus, in den Wald, auf den See, in die Gemeindeferien nach Südtirol... und treffen uns am letzten Sonntag im September auf dem Küsnachterberg wieder zum ökumenischen Erntedankfest. Doch heute sollte ja zunächst nur vom festlichen August die Rede sein – in dieser sogenannt festlosen Zeit.
Pfr. Brigitte Crummenerl
Ernten
Ich staune jedes Jahr von Neuem über den wundervollen Anblick der heranwachsenden Getreidesorten: weite Felder, gleiche Saaten in verschiedenen Stadien, andere Farben des Korns, und auch die Höhe variiert. «Mutter Erde» lässt vieles wachsen und lässt uns die Felder bestellen. Wind, Regen und Sonnenschein helfen mit, aber Hagel und starker Schauer können der Erde auch schaden.
Gibt es nicht Parallelen zwischen uns Menschen und der Vielfalt von Feldern? Andere Grössen, Formen, Farben – und schlussendlich geht es bei uns Menschen sowie bei der Arbeit auf dem Feld um das Gleiche: Wie man sät, so erntet man. Jeder kann sein Feld bestellen wie er möchte, und demzufolge kann die Ernte auch unterschiedlich ausfallen.
Für unsere und unserer Kinder Zukunft sei es unser Bestreben, den Wert dieser Ansicht zu erkennen.
Wie die Jungen anbauen, wie sie alles pflegen, hegen, und wie dankbar sie mit der Ernte umgehen, das ist individuell und jedem Einzelnen selber überlassen.
Mein grosser Wunsch ist es, dass wir alle bestrebt sind, wieder eine höhere Wertschätzung und Dankbarkeit zu erlangen für alles, was wir in grosser Vielfalt überall ernten dürfen.
Michael Dubs
