Leitartikel & Editorial «info» August 2005


«... oder leben Sie schon?»
Eine seltsame Frage. Demnach gäbe es noch einen anderen Zustand: Im Leben noch nicht leben. Aber ich atme ja, höre die Stimmen anderer, spreche mit ihnen, gehe und sehe, esse und trinke, lache – das alles sind doch Zeichen des Lebens. Will die Frage einfach provozieren?Sie stammt aus der Werbekampagne eines Unternehmens für Wohneinrichtung. Der ganze Slogan lautet «Wohnen Sie noch oder leben Sie schon?» Auf den ersten Blick ein Widerspruch, denn man kann doch nicht wohnen ohne zu leben. Und weiter ist davon die Rede, dass wohnen nicht gleich wohnen sei. Wirklich wohnen und ergo leben sei nur möglich mit Mobiliar und Einrichtungen derselben Firma, so die unausgesprochene Behauptung.
Abgesehen von diesen Marktinteressen ist der Slogan bedenkenswert. Er führt zur Frage, wie das Wohnen mit dem Leben verquickt ist. Das Haus, die Wohnung weisen nicht ausschliesslich auf Geborgenheit, Schutz und Raum hin. Mitunter fällt einem schier die Decke auf den Kopf, die eigenen vier Wände können beengen, der Teppich kann einem unter den Füssen weggezogen werden - das eigene Haus wird zum Gefängnis. Und das wäre wohl nicht der Inbegriff von Leben, wenn Freiheiten abhanden kommen und der bergende Wohnraum sich verkehrt in einen Abgrund.
In den frühen Sprachen der Tuareg hatte «die Stadt» mit all ihren Häusern die gleiche Bedeutung wie «die Gräber», so berichtet uns der libysche Schriftsteller Ibrahim al-Koni. Eine feste Wohnstatt ist somit gleichbedeutend mit Grab und im Grab gibt es kein Leben. Nomadenvölker wie die Tuareg ziehen umher, werden nicht sesshaft sondern erstellen stets nur eine provisorische Behausung für einen zeitlich befristeten Raum. Der Ort des Lebens und der Schwerpunkt des Daseins aktualisieren sich dabei im Unterwegs-sein, in der Freiheit der unendlichen Wüste, welche das Paradies ist, ein Haus mit Wänden aus Nichts (Ibrahim al-Koni). Was Sesshafte mit den Nomaden verbindet ist der je eigene Horizont der Sehnsüchte, der im jeweils anderen Lebensraum liegt: Die rastlose Wanderung mit der Sehnsucht nach Sesshaftigkeit und Ruhe einerseits, das Absichern und Einrichten an einem festen Ort verbunden mit dem Drang nach Aufbruch und Freiheit andererseits.
Beides sind Grundbewegungen in uns selber, unterschiedlich in Intensität und Ausprägung. Und beides zeichnet unser Verhältnis zu Gott aus. So spricht Paulus davon, dass wir Gottes Tempel seien und dass sein Geist in uns wohne (1. Kor. 3,16). Unsere Sehnsucht nach Gott ist mit seiner Sehnsucht nach uns verwoben. Unsere Reise zu Gott hin geschieht gleichzeitig mit seinemEinzug in unser Innerstes. Wie wir in Gott ruhen, so ruht er bereits in uns. So wir aus uns ausziehen, kehren wir bei Gott ein. Widersprüche? Für den Glauben, der seinen Ort und sein Ziel im Herzen hat, nicht. Und damit lässt sich überall gut leben und à propos auch gut wohnen. Pfarrer Thomas Habegger
Gemeinschaft«Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen» (Jesus, gemäss Matthäus).
Ich erinnere mich an Sommerlager, wo ich das Morsen lernte oder wir einen Tag lang «Räuber und Polizei» spielten – mit dem Auftrag, sieben Guetzlipakete zu retten… Im gleichen Lager lernten wir das «Vaterunser».
Bis heute erinnere ich mich an diesen Abend. Es gab Lagerfeuer, an denen wir stundenlang zusammen Lieder sangen. Ein anderes Mal erzählten wir mit selbst bemalten T-Shirts in einem Gottesdienst die Geschichte Noahs. Ich erinnere mich auch an Gartenfeste, an denen Erwachsene im Schwimmbad getauft wurden. Gestaunt habe ich da. Events, würde man wohl heute sagen. Für mich waren das Momente der Gemeinschaft und vor allem bleibende Erinnerungen.
Seit letztem Herbst bin ich verantwortlich für das Ressort «Kind und Familie».
Die Zeiten haben sich geändert. Kinder haben heute mehr Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Die Angebote der Kirche müssen dem Erwartungs- und Konkurrenzdruck standhalten. Als Kirchenpflege müssen wir unsere Angebote neu gestalten und herausfinden, wo die Bedürfnisse liegen. Zum Teil gelingt uns das. «Unsere» Kinderwoche im Herbst begeisterte über 40 Kinder! Anderes stösst auf weniger Resonanz und ist neu zu überdenken. Ihre Ideen und Ihr Feedback dazu sind uns willkommen. Lernen Sie die Angebote für Kinder und Familien kennen und nehmen Sie Kontakt mit uns auf! Lassen Sie uns zusammen Gemeinschaft erleben! Marianne Berger
