Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» Juli 2009
 

Kirchliche Heimatkunde

Beim Unterricht bewahrheitet sich wie nirgends sonst der
reformatorische Grundsatz, wonach sich die Kirche ständig
erneuern muss.


Seit der Einführung des Biblischen Unterrichtes an der Volksschule im 19. Jahrhundert ist viel geschehen. Während sich die Eltern heutiger Schülerinnen und Schüler noch an das ominöse BS (Biblische Geschichte und Sittenlehre) im Stundenplan erinnern, ging die Entwicklung über KoKoRu (konfessionell kooperativer Unterricht) bis hin zum heutigen Schulfach «Religion und Kultur». Aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen und Verschiebungen in der religiösen Landschaft musste sich die Reformierte Kirche überlegen, wie sie ihrem Auftrag längerfristig gerecht werden konnte. Auch der Staat war durchaus interessiert am Religionsunterricht, zumal die christliche Tradition eine wesentliche Grundlage unserer Kultur ist. Im Blick auf eine zunehmend multikulturelle Bevölkerung und die damit verbundenen Herausforderungen gehört es heute zum Bildungsauftrag des Staates, Wissen zu vermitteln über das Christentum und über andere Religionen und Kulturen. Der Unterricht an der Volksschule soll – soweit wie möglich – wertneutral, überkonfessionell und Religionen übergreifend sein. Darum kann er eine Beheimatung in der kirchlichen Tradition, das Erlebbarmachen des Glaubens und die Einübung in christliche Rituale nicht leisten. Weil aber der Mensch auch in religiösen Fragen nicht nur vom Wissen, sondern auch von der Erfahrung lebt, braucht es den kirchlichen Unterricht als eine Art Heimatkunde. Seit geraumer Zeit arbeitet die Reformierte Kirche des Kantons Zürich an einem Konzept, wie der konfessionelle Unterricht in Zukunft aussehen könnte. Bereits im Jahr 1994 wurde der «Drittklass-Unterricht» eingeführt. 2004 wurde von der Kantonalkirche das Religionspädagogische Gesamtkonzept (rpg) vorgestellt und den Kirchgemeinden zur schrittweisen Umsetzung vorgelegt. Seither wird auch in Küsnacht am neuen Unterrichtskonzept gearbeitet: 2006 wurde der «Club4» eingeführt und in diesem Jahr das «JuKi» für die Fünftklässler. Seit ich in Küsnacht Pfarrer bin und in der Unterrichtskommission mitarbeite, werde ich gelegentlich auf das neue Unterrichtskonzept angesprochen. Beim Blick auf den satt gefüllten Stundenplan sehen Eltern im kirchlichen Unterricht oft nur die zusätzliche Belastung. Dabei ginge es darum, die Eltern bei der Einlösung ihres Taufversprechens zu unterstützen. Auf der anderen Seite des Taufversprechens steht das Versprechen der Kirche, die Eltern bei der religiösen Erziehung ihrer Kinder zu begleiten und zu unterstützen. Bei der Taufe begeben sich Eltern und ihre Kinder auf einen gemeinsamen Weg. Mit vielfältigen Angeboten soll der christliche Glaube nicht nur als kulturelles Erbe, sondern auch als eine persönliche Orientierungshilfe vermittelt und die Kirche als ein Stück Heimat und ein Ort der Gemeinschaft erlebbar gemacht werden – eine Kirche, die nicht nur sich selbst, sondern auch den Menschen erneuert.

Pfr. René Weisstanner



 

Liebe Küsnachterinnen und Küsnachter
Finanzkrise, Jugendgewalt, «erwachsene » Kriege in aller Welt, Überfluss inmitten von Nahrungs-, Energie- und Wasserknappheit..., und noch sind wir nicht bei unseren nächsten Problemen in der Familie oder im Arbeitsumfeld angekommen. Was mir dabei in letzter Zeit besonders auffällt, ob in der Behörde, dem Sportverein oder dem Freundeskreis: Wie findet man einen gemeinsamen Termin? Wann bin ich, gemäss meiner Agenda, «frei»? Wer hat Zeit? Und was signalisiert «Zeit haben» in unserer Gesellschaft? – Ich sehne mich manchmal nach Langeweile. Nach Momenten des ungerichteten Denkens. Nach leeren Räumen. Ich möchte Ihnen 5 Minuten für die folgenden leer gelassenen Zeilen schenken!
Mit den besten Wünschen für noch längere Zeiten.
Jakob Weiss
Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich