

50 Jahre Bethesda in Küsnacht
Wer die hellen Räume der Bethesda Residenz betritt, kann es sich kaum vorstellen: Die Gebäude stammen in ihrem Ursprung aus dem Jahr 1962.
Mit seinem modernen, grosszügigen Charakter zeugt das Haus vom Pioniergeist seiner Gründerinnen und Gründer. Die Diakonissen der Schwes terngemeinschaft Bethesda in Basel schufen damals in Itschnach ein Zuhause für betagte und pflegebedürftige Menschen. Nicht allein den medizinischen Belangen und dem leiblichen Wohl ihrer Schützlinge wollten sie gerecht werden, sondern auch auf die sozialen und religiösen Bedürfnisse eingehen. Das manifestiert sich unter anderem im schönen Kirchensaal mit Abendmahlstisch und Kanzel, wo jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert wird.
Was heute unter den Stichworten «palliative care» und «spiritual care» diskutiert und propagiert wird, praktizierten die Schwestern schon damals mit stiller, treuer Hingabe. Seit Juli 2010 gehört das Pfarramt am Bethesda zum Bereich Seelsorge der reformierten Landeskirche Zürich. Die Verantwortung für Gottesdienst und Seelsorge liegt dadurch jetzt bei mir.
Eine einzige Schwester arbeitet noch bei uns in der Aktivierungstherapie und vergegenwärtigt mit ihrem weissen Häubchen und der würdigen Tracht die Tradition des Hauses. Zwei pensionierte Diakonissen kommen als freiwillige Helferinnen regelmässig zu Besuch. Nach wie vor bringen sie Freude und Trost ins Haus. So erzählte mir eine Bewohnerin sichtlich gerührt, wie ihre Zimmernachbarin an einem Montag (mein freier Tag) verstarb. Da die Frau keine Angehörigen mehr hatte und offensichtlich seelsorgerliche Begleitung brauchte, kam jemand auf die Idee, bei der Schwesterngemeinschaft in Basel anzurufen. Und tatsächlich: Ein paar Stunden später betrat eine Schwester das Zimmer, um der sterbenden Frau beizustehen.
50 Jahre Bethesda in Küsnacht – das ist Grund für einen dankbaren Rückblick und ein mutiges Vorwärts-Gehen. Dankbarkeit gebührt der Schwesterngemeinschaft und allen Mitarbeitenden, die sich um das Wohlergehen der Bewohnerinnen und Bewohner kümmern. Ein herzliches Dankeschön gilt den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die im Bethesda ein- und ausgehen. Und last but not least allen Angehörigen und Besuchern, die Freude und Abwechslung in den Alltag der betagten Menschen bringen.
Ein mutiges Zeichen für die Zukunft werden wir im Kirchensaal anbringen. Dort wird der alte Wandschmuck durch ein modernes Gemälde ersetzt. Vier Bildtafeln bringen die Mitte unseres christlichen Glaubens zur Darstellung – Kreuz und Auferstehung. Im Festgottesdienst am 24. Juni wird der neue, meditative Wandschmuck erstmals zu sehen sein.
Sie sind herzlich eingeladen, das Haus Bethesda wieder einmal zu besuchen oder überhaupt erst kennen zu lernen: am Sonntag zum Gottesdienst (siehe «Kalender»), zum Besuch bei unseren Küsnachter Bewohnerinnen und Bewohnern oder auch einfach zum Kaffee im öffentlichen Restaurant oder zum Verweilen in unserem schönen Park. Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen!Pfrn. Ruth Stenger-Gerber
Gottesdienst und Musik
Welche Rolle soll die Musik im Gottesdienst spielen? Nach Zwingli keine – er verbannte Orgel und Chorgesang aus der Kirche, weil sie ablenkten. Wir dagegen stellen fest, dass Gottesdienste mit spezieller Musik oder auch Konzerte besonders viele Gäste
in die Kirche locken.
Müssen wir demnach den Gottesdienst mit Musik schmücken, damit er gut besucht wird? Die Besucherzahlen lassen diesen Schluss zu. Wohl unbestritten soll der Gottesdienst aber auch dazu dienen, uns voll neuen Mutes und neuer Lebensfreude auf den Weg in die neue Woche zu
schicken. Die Besucherzahlen sind nicht der einzige Massstab – wesentlich ist, wie der Gottesdienst all unsere Sinne anspricht. Wenn einen das Alphorn viel mehr ergreift als Bach,
dann darf das durchaus als Ansprechen der Sinne und nicht als Ablenkung vom Wesentlichen verstanden werden.
Und sind wir etwa mit dem Singen zurückhaltend, damit es – zuweilen etwas blass und kraftlos – den musikalischen Schmuck des Gottesdienstes nicht allzu sehr beeinträchtigt? Ancillo Canepa, Präsident des FC Zürich, äusserte an einer Kirchenpflegetagung, dass er der Kirche vielleicht erhalten geblieben wäre, hätte er zugänglichere Lieder singen dürfen. Tatsächlich ergreift mich persönlich der Gemeindegesang gerade dann, wenn Lieder von allen, mit Inbrunst, in einer mir vertrauten Sprache und dann auch gern in ganzer Länge gesungen werden.
Oliver Morel
