Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» Juni 2007
 

Was ist «Gott»? Eine Konfirmationsfrage

Drei Konfirmationsgottesdienste stehen bevor, und wir freuen uns sehr für die jungen Menschen, die den kirchlichen Unterricht abgeschlossen haben und in die Gemeinschaft der Kirchgemeinde eintreten werden.

Eine Konfirmation war immer schon ein besonderer Gottesdienst, aber früher oftmals auch mit einer gewissen Prüfungsangst verbunden. Es gab nämlich eine Zeit, als der Konfirmandenunterricht an einem Katechismus orientiert war, von fortlaufenden Prüfungen begleitet wurde und zum Teil vor der ganzen Gemeinde stattfand. Im Konfirmationsgottesdienst selber mussten die Jugendlichen über ihren Glauben Rechenschaft ablegen, indem sie auf die Fragen des Pfarrers antworteten. Vor diesem historischen Hintergrund lässt sich vermuten, dass die Frage: Was ist «Gott»? vom Pfarrer formuliert und bei der Konfirmation den zu Konfirmierenden gestellt wird. Der Pfarrer fragt, und die Konfirmandinnen und Konfirmanden antworten. Aber diese Vermutung trifft nicht zu – die Frage, was ist «Gott»? habe nicht ich, sondern meine Konfirmationsklasse selbst gestellt, und zwar als Thema für ihre Konfirmation.

In seinem Grossen Katechismus schreibt Luther zum ersten Gebot «Was heisst, einen Gott haben, oder was ist Gott?»: «Ein Gott heisst das, dazu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen Nöten; also dass einen Gott haben nichts anders ist, denn ihm von Herzen trauen und glauben; ... Denn die zwei gehören zu Haufe, Glaube und Gott. Worauf du nun dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott.» Gemäss Luther haben alle einen Gott. Es stellt sich nur die Frage, ob ich den falschen oder den echten Gott habe, ob Gott mich irgendwann im Stich lassen wird oder mein Gott auch den bösen Mächten der Hölle mächtig ist. Aber streng genommen kann man den echten Gott nicht haben – es gilt vielmehr, an ihn zu glauben. Darum präzisiert Luther seine Antwort durch den Hinweis auf den Glauben: «Denn die zwei gehören zu Haufe, Glaube und Gott.» Einen Gott haben würde heissen, ihn gedanklich in Besitz zu nehmen, ihn wirklich zu begreifen und vielleicht sogar rituell über ihn zu verfügen. Der echte Gott übersteigt jedoch unsere Kapazität in einem Mass, das wir ihn überhaupt nicht begreifen, ihm aber wohl vertrauen und glauben können.

Im Vergleich zum grossen Reformator weist die Frage der Konfirmandinnen und Konfirmanden einen kleinen aber wichtigen Unterschied auf: Sie fragen nicht, «Was ist Gott?», sondern spezifizieren Was ist «Gott?». Dahinter steckt die tastende Suche nach einem Begriff, nach einer Definition dessen, was gemeint ist, wenn man sagt «Ich glaube an Gott» oder aber «Ich glaube nicht an Gott». Wie ist das Wort «Gott» in solchen Aussagen zu verstehen? In der heutigen Welt ist diese Frage durchaus berechtigt und beweist im Fall der Konfirmandinnen und Konfirmanden ein beachtliches Reflexionsvermögen. Es ist allerdings zu wünschen, dass sie mit wachsender Mündigkeit bei der Frage nach dem Glauben zum allesumfassenden Fundament vorstossen. In diesem Sinn wünsche ich allen drei Konfirmationsklassen ein fröhliches Fest und für ihre Zukunft Gottes Segen.

Pfarrer Jack E. Brush



 

Erstens kommt es anders...

...und zweitens als man denkt. Ist Ihnen das auch schon passiert? Sicher, wem wohl nicht! Wenn man in Küsnacht zur Buchhandlung geht, sticht einem Dürrenmatts Zitat ins Auge: «Je planmässiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.» Mich regt dieser Spruch jedes Mal zum Denken an, und ich muss dann meistens ertappt über mich selbst lächeln.

Nun haben wir auch in der Kirchenpflege ein weiteres Beispiel einer Planung, die erneut überarbeitet werden muss, obwohl wir glaubten, alle relevanten Rahmenbedingungen zu kennen. In der Euphorie über die erfolgte Wiederbesetzung des Ressorts «Bauten » haben wir unterschätzt, dass sich Hansjörg Kauer zuerst in die Materie einarbeiten muss, dass es offene Fragen abzuklären gilt, und dass das grosse Vorhaben zur Sanierung der Kirchenheizung und -decke sehr viel mehr Vorbereitung braucht als ursprünglich eingeplant, soll es seriös umgesetzt werden.

Schmunzeln Sie mit mir über das «planerische Vorpreschen», und drücken Sie mir die Daumen, dass ich lerne, in Zukunft vermehrt mit der Tatsache umgehen zu können, dass unsere Planungen durchkreuzt werden und unser Lebensweg sich anders gestaltet als ursprünglich angenommen.

Marianne Berger

Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich