

Wer’s glaubt, wird selig...
...und wer’s nicht glaubt, kommt auch in den Himmel!So spotten manche und bekennen damit, ohne es zu wollen, den Glauben, dass wir alle in den Himmel kommen.
Diese Sicht der letzten Dinge ist für mich die einzig mögliche; und sie klingt uns, neben anderen Sichtweisen, auch aus der Bibel entgegen: Gott liebt die ganze Welt und will, dass alle Menschen gerettet werden... Und das werden wir auch – wenn auch, wie Paulus schreibt, so wie durch Feuer hindurch. Das ist die frohe Botschaft – und wohl nur diejenigen, die sich den Himmel verdienen wollen, können sich über die unverdiente Gnade nicht freuen und möchten den anderen lieber die Hölle heiss machen.
Diese Botschaft von der Allversöhnung höre ich auch in der Geschichte vom sogenannten ungläubigen Thomas, der nur glauben wollte, nur glauben konnte, was er mit eigenen Augen gesehen hatte. Im 20. Kapitel des Johannes-Evangeliums wird uns aus der Zeit nach Ostern davon erzählt. Und wir haben im Kirchenjahr vierzig Tage nach Ostern bis Himmelfahrt Zeit, über diese und andere Erscheinungsgeschichten nachzudenken.
Thomas, einer von den Zwölfen, der auch Didymus (Zwilling) genannt wird...Thomas, der einmal bereit gewesen war, für seinen Herrn durchs Feuer zu gehen, machte seinem Namen «der Zwilling, der Zweifler» je länger je mehr Ehre. Je weiter der Weg mit Jesus führte, desto unverständlicher wurde er ihm. Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir den Weg wissen?, sagte er.
Wie wir konnte er nicht verstehen, warum das Leiden erlösen soll. Wie wir wollte er lieber davor bewahren – und verschont bleiben. Und wie wir hatte er noch nichts begriffen, als Jesus nach Ostern zu den Jüngern kam. Er hatte nur davon gehört – vom Hörensagen, doch das war ihm nicht genug. Wenn ich es nicht mit meinen eigenen Augen sehe und mit meinen eigenen Händen greifen kann...
Es ist erstaunlich, wie sehr wir dem Sichtbaren und Handfesten trauen, wo doch die feinen Töne und Bilder in unserem Innern viel überzeugender sind, und uns die Erkenntnis und Gewissheit, das Wissen im Herzen, viel tiefer erfasst und beglückt als jenes im Kopf.
Auch Thomas kommt ganz anders zur Erkenntnis – und dann zum Bekenntnis, als gedacht. Jesus hat ihm dazu verholfen. Er hat seinen Zweifel nicht verdammt, sondern ihn bei der Hand genommen und ihm die Augen für das Unsichtbare geöffnet. Da braucht Thomas die geforderten Beweise nicht mehr, muss nicht mehr greifen, um zu begreifen, nicht mehr sehen, um zu erkennen.
Das Wort fällt ihm in die Seele: Sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Und Thomas erkennt und bekennt: Mein Herr und mein Gott!
Sind wir schon so weit? Oder brauchen wir noch Zeit – und Zeichen? Das macht nichts. Vierzig Tage Osterzeit. Und der Weg zum Himmel ist noch weit.
Pfr. Brigitte Crummenerl
Neuanfang oder alles neu macht der Mai
Immer wieder werden wir im Leben mit grösseren oder kleineren Neuanfängen konfrontiert. Sie können Unsicherheit, Bedenken aber auch Neugier und Freude auslösen. Ich bin seit Anfang November Mitglied in der Kirchenpflege Küsnacht und erlebe viel Neues und interessante Begegnungen. In der Natur sehe ich, dass pünktlich zum Maianfang die Maiglöckchen blühen. Die Zeit des Erwachens wandelt sich und steigert sich zur vollen Blüte und Fruchtbarkeit. Eine ungeheure Energie liegt in der Luft, die Natur wird lebendig. Nutzen wir doch diese Energie und setzen wir sie uns als sommerliches Ziel! Das lässt spontane, kreative Wege offen, die manchmal Mut erfordern, aber Freude und Befriedigung bringen. Unterwegs weisst du meistens nicht, wo du bist, ob nah oder fern dem Ziel, aber gib nicht auf. Geh Schritt für Schritt, die Mitte um kreisend. Wenn du sie findest, findest du dich selbst, deine eigene Mitte und zugleich Gott, der alles umfasst. Die Eisheiligen können uns aber auch die Wechselhaftigkeit des Wonnemonats Mai vor Augen halten. Es ist ein Hin und Her des Übergangs, der aber auch eine Beständigkeit und längere Tage bringt. Diese Beständigkeit brauchen wir in unserem Leben. Das Verwurzeltsein im Alten und Bewährten lässt uns Freiraum für Offenheit und Neues. Geben wir uns diesen Raum, um Entwicklungsmöglichkeiten entstehen zu lassen.
Esther Schönholzer
