

Viel Vertrauen in Gott, aber...
«Viel Vertrauen in Gott, aber weniger in die Kirche... Der Glaube an Gott ist für viele Schweizer ein Mittel, um Krisen zu überwinden. Das Vertrauen in die Kirche ist dagegen nicht allzu gross», wie aus einer Mitte März in der Zeitschrift «Beobachter » publizierten Umfrage hervorgeht.Wenn man in der Zeitung täglich von politischen Unruhen auf der ganzen Welt liest, wenn man die Hypothekenkrise in den USA und zum Teil auch in der Schweiz verfolgt, und wenn man daran denkt, was Menschen auch in unserer Gemeinde erleben und erleiden, dann kann man nur dankbar sein, dass viele ihre persönlichen Krisen durch den Glauben an Gott zu überwinden vermögen. Dennoch verbergen sich in der Aussage «Viel Vertrauen in Gott» tief greifende Schwierigkeiten, die nur angedeutet werden durch die Gegenüberstellung von Glaube und Kirche: «Viel Vertrauen in Gott, aber weniger in die Kirche.»
Diese heutzutage sehr geläufige Gegenüberstellung klingt zunächst für viele sehr einleuchtend, sie lässt sich jedoch weder historisch noch sachlich rechtfertigen, sofern wir uns am christlichen Glauben orientieren. Wollte man die Aussage der Umfrage vor dem Hintergrund der christlichen Tradition «übersetzen», dann müsste es heissen: Viele Menschen erfahren Gott in ihrem Leben, sie können aber diese Erfahrungen mit dem durch die Kirche überlieferten christlichen Glauben nicht in Verbindung bringen. Und die Tatsache, dass man heute von einem Glauben an Gott spricht, als sei dadurch etwas Entscheidendes gesagt, widerspiegelt deutlich unsere Distanz vom zentral Christlichen und zugleich die Orientierungslosigkeit unserer Zeit. Vor dem Zusammenbruch des christlichen Weltbildes in Europa hat man nämlich die Existenz Gottes nicht als Sache des Glaubens, sondern als Sache des Denkens betrachtet. Das war ja der Sinn der alten Gottesbeweise. Wer über sich selbst und seine Welt ernsthaft nachdenkt, der kann nicht im Ernst leugnen, dass es einen Gott gibt. Die entscheidende Frage ist nur diese: Wie ist dieser Gott zu verstehen? Und gerade an diesem Punkt hat man vom Glauben gesprochen, das heisst vom Glauben an Jesus Christus als der, welcher uns die Wahrheit über Gott sagt.
Nicht die blosse Existenz Gottes, sondern die Offenbarung Gottes in Jesus Christus ist letztlich Sache des Glaubens. Ist Gott wirklich der grenzenlos Liebende, wie Jesus sagte? Das ist Sache des Glaubens! Meint Gott es mit uns wirklich gut, wie Jesus sagte? Das ist Sache des Glaubens! Offenbart Gott seine Macht in Form der Schwachheit, wie Jesus am Kreuz zeigte? Das ist erst recht eine Sache des Glaubens! Und es ist nicht gleichgültig, ob wir diese Aussagen glauben oder nicht. Denn gerade an diesem Glauben entscheidet sich, wie wir die Höhen und Tiefen unseres Lebens verstehen. Was es mit dem Vertrauen in die Kirche auf sich hat, darüber werde ich mich in meinem nächsten Artikel äussern.
Pfarrer Jack E. Brush
Starke Frauen
In allen Buchhandlungen liegen Neuauflagen der Bücher von Simone de Beauvoir zu ihrem 100. Geburtstag auf. Zu ihrer Zeit galt sie als besonders moderne Frau, bei der folgenden Generation als verstaubt und altmodisch. Heute wird sie neu entdeckt, denn sie war nicht einfach die spröde Feministin. In «Memoiren einer Tochter aus gutem Hause» etwa zeigt sie sehr sinnliche Bilder, mit denen sie ihren Kampf um Unabhängigkeit und Freiheit inszenierte.
Auch in der Schweiz finden sich bedeutende Frauen, die Grosses zur Entwicklung der Freiheit und Eigenständigkeit der Frauen geleistet haben: Anna Waser (1678-1714), erste bedeutende Kunstmalerin der Schweiz, Emilie Kempin-Spyri (1853-1901) erste Juristin Europas und erste Dozentin an der Universität Zürich, Susanne Orelli-Rinderknecht (1845-1939), erfolgreiche Pionierin in der Alkoholprävention.
Wie steht es heute um die Frauen? Mit der Emanzipation und Gleichberechtigung sind grosse Fortschritte erreicht worden, aber es bleibt noch vieles zu tun. Wichtig scheint mir, dass die Stellung der Frau nicht nur von ihren äusseren Umständen, sondern auch von ihren inneren Werten abhängt. Dem Gefühl, der Empfindung, dem menschlichen Zusammenleben sollte wieder mehr Beachtung geschenkt werden.
Am 8. und 15. Mai sowie am 5. Juni finden drei Vortragsabende über interessante Zürcher Frauen aus den letzten Jahrhunderten statt (Besonderes).
Heidi Ringli
