

Zur Rechten Gottes
Im Monat Mai feiern wir in der christlichen Kirche die AuffahrtJesu ins Himmelsreich. Obwohl Auffahrt seit langem als ein
Feiertag des Christentums gilt, hat sie so sehr an Bedeutung
verloren, dass «Auffahrt» heute beinahe gleichbedeutend mit
«Ausflug» ist. Die Geringschätzung dieses Feiertages hat
jedoch nur wenig mit dem Feiertag selbst zu tun, rührt vielmehr
von der Denkweise der Moderne her, genauer gesagt von unseren
Schwierigkeiten, symbolisch zu denken. Aber auch wenn wir
uns in die Welt der religiösen Symbole einlassen, scheint
die Bedeutung von Auffahrt zunächst eher problematisch zu sein.
Die Auffahrt Jesu bedeutet anscheinend seinen Abschied von unserer Welt und
darum auch von unserem alltäglichen Leben. Das würde heissen: Jesus könne auch
nicht mehr unmittelbar in unserem Leben wirken – tröstend, mittragend, ermutigend, verzeihend. Dies wäre doch kein Anlass zum Feiern! Aber im Römerbrief deutet Paulus die Auffahrt Jesu im Kontext des Amtes Christi als Vertreter der Menschen. Er schreibt: «Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt». Die tiefere Bedeutung der Auffahrt Jesu liegt also nicht in seiner Entfernung von unserer Welt, sondern in seinem Näherkommen zu Gott. Nicht dass Jesus durch seine Auffahrt in den Himmel die menschliche Welt verlassen und die Menschheit sich selber überlassen hätte, sondern er ist dadurch in die unmittelbare Nähe zu Gott getreten und vertritt zur Rechten Gottes die menschliche Welt. Deshalb betont Paulus, dass Jesus gerade durch seine Himmelfahrt auf eigenartige Weise bei uns im Hier und Jetzt bleibt: «Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes
ist und uns vertritt». Man beachte wohl: Jesus ist hier – in existentieller Nähe zu uns! Die Auffahrt Jesu in den Himmel bedeutet auf keinen Fall seinen Abschied von uns, sondern den Anfang einer neuen Beziehung zu uns. Jesus ist nach seinem Leben, Leiden und Sterben in die Unmittelbarkeit zu Gott und zu uns getreten, so dass er uns vor Gott vertritt.
Worin diese Vertretung zur Rechten Gottes besteht, verstehen wir erst im Hinblick auf den weiten Bogen vom Karfreitag bis zur Auffahrt, das heisst im Spannungsfeld zwischen der Gottverlassenheit des Todes und dem Eintreten in die Nähe Gottes. Grundsätzlich bedeutet das fürbittende vermittelnde Amt Christi zur Rechten Gottes, dass er für uns die Gottferne in die Gottnähe umwandelt. Und damit wird prinzipiell ausgeschlossen, dass wir je endgültig und hoffnungslos in Verzweiflung geraten oder dass wir an der Erfahrung der Gottverlassenheit zugrunde gehen. Denn Christus hat die Gottferne in Form von Verzweiflung, Misstrauen, Unsicherheit und Gleichgültigkeit ein für allemal überwunden, und wer an ihn glaubt, der wird immer wieder aus der Tiefe der Gottferne geholt und in die Nähe Gottes versetzt. Das ist das Amt Christi, das er symbolisch durch seine Auffahrt in den Himmel übernommen hat.
Pfarrer Jack E. Brush
Neue VerantwortungVor fast 20 Jahren habe ich meinen Konfirmationsspruch erhalten: «Gelobt sei der Herr täglich; Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch» (Psalm 68.20). Zum damaligen Zeitpunkt fand ich diesen Spruch nicht sehr passend. Mir schienen die Lasten des Lebens nicht wirklich schwer zu wiegen. Heute hat sich – wen wundert’s – diese Ansicht relativiert. Die versprochene Hilfe erfahre ich manchmal, manchmal lässt sie meiner Meinung nach aber auf sich warten.
Dann erinnere mich an diesen meinen Spruch und frage mich, welchen Weg ich wohl zu gehen habe.
Die Wahl zur Präsidentin der Kirchenpflege hat mich sehr gefreut, auch im Bewusstsein, dass diese Aufgabe an hohe Erwartungen, viel Arbeit und grosse Verantwortung geknüpft ist. Ich freue mich auf diese Herausforderung, besonders weil ich sie nicht allein annehmen muss. Mit mir haben sich acht Kolleginnen und Kollegen bereit erklärt, für die Gemeinschaft etwas zu tun.
Ergänzt werden wir durch engagierte Pfarrer und motivierte Mitarbeitende. Ich danke Ihnen allen für das Vertrauen, das Sie uns schenken und lade Sie schon heute ein, sich aktiv am Kirchenleben zu beteiligen, mit uns in Kontakt zu treten und uns so bei unseren gemeinsamen Zielen zu unterstützen. Marianne Berger
