Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» April 2011
 

Den Menschen ins
Herz gelegt

Einmal im Jahr gehe ich mit meinen Konfirmandinnen
und Konfirmanden auf den Friedhof. Die Jugendlichen
erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen mit Sterben
und Tod.


Im Gespräch miteinander gelangen wir schnell zu wichtigen Fragen: Warum musste ein Mensch so früh sterben oder so plötzlich? Warum wurde er nicht wieder gesund, wo ich es mir doch so sehr gewünscht hatte? Was für einen Sinn hat dieser Tod? Was ist mit den Menschen, die zurückbleiben? Wie gehen sie mit diesem Verlust um? Was hilft ihnen in einer solchen Situation? Warum beerdigt man die Menschen auf dem Friedhof? Wo ist denn jetzt der Verstorbene? Lebt die Seele eines Menschen weiter nach dem Tod? Nicht nur alte, auch junge Menschen setzen sich mit solchen Fragen auseinander, das spüre ich jedes Mal, wenn wir vor den Grabsteinen stehen. Wenn sie nur selten darüber sprechen, liegt es weniger am Verdrängen als am Fehlen einer Sprache, um auszudrücken, was sie im Innersten bewegt. Es ist die Aufgabe des Pfarrers, Worte zu finden für das Unaussprechliche bei einem Abschied am Grab. Worte aus der Bibel können den Weg in die Herzen der Menschen finden, sie trösten in ihrer Trauer. Und das Ritual einer Bestattung soll helfen, das Leben eines Menschen nicht so ganz für sich allein, sondern in einem grösseren Zusammenhang zu sehen – zu sehen, dass Leben und Sterben des Menschen mit Gott zu tun haben. Zur menschlichen Würde gehören auch ein würdiges Begräbnis, ein würdiger Abschied. Der Umgang mit den Toten ist durchaus gesellschaftlich und kulturell geprägt. Meine Erfahrung zeigt mir darüber hinaus, dass der Mensch, der mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert wird, auf sein Herz hört. Und das Herz des Menschen hat eine Ahnung von dem, was den Verstand übersteigt, von der Ewigkeit, die Gott in sein Herz gelegt hat (Kohelet 3,11)1. Nicht erst Jugendliche, schon Kinder haben dafür ein ausgeprägtes Bewusstsein. Mir ist das aufgefallen, als unser Haustier, eine Ratte, gestorben war und unsere Kinder den Wunsch äusserten, das Tier zu beerdigen. Wir gruben zusammen ein Loch und suchten einen schönen Stein. Meine Kinder waren sehr bewegt von diesem Abschied. Das Ritual half und gab auch die Antwort auf die eine oder andere kindliche Frage. Bevor ich vor wenigen Wochen mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden den Friedhof besuchte, hatte ich ihnen einen kurzen Filmausschnitt aus einer britischen Fernsehserie gezeigt. Darin sahen wir, wie ein etwa sechsjähriges Mädchen die Maus beerdigt, die seine Eltern in der Küche getötet hatten. Die Rede am Grab schliesst es mit den Worten: «Asche zu Asche, in Tagen der Krankheit und in Tagen der Gesundheit möge die Macht mit Dir sein, weil sie es sich wert sind. Amen und Ende.»2 Pfr. René Weisstanner

1 In der Neuübersetzung der Zürcher Bibel steht: Auch die ferne Zeit hat er den Menschen

ins Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk, das Gott gemacht hat, nicht von Anfang bis Ende begreifen kann.

2 «Outnumbered», Karen buries a mouse» (auf YouTube)



 

Wegbereiter zur Zürcher Bibel: «bibel(plus)»Im Zusammenhang mit der Neuübersetzung der Zürcher Bibel ist ein vierteiliger Wegbereiter erschienen unter dem Namen «bibel(plus)»:


• «Besichtigt – der Reiseführer zur Zürcher Bibel». Handlich für unterwegs; geniessen Sie die Routen durch die Stätten der Bibel! Frühe Reisefotografien aus Palästina und Querverweise auf passende Musikstücke erleichtern einem die Wanderung durch die Bücher der Bibel.

• «mitgehört – der Originalton zur Zürcher Bibel». Lassen Sie sich vom Hörerlebnis verzaubern!

• «vertieft» – das Seminar zur Zürcher Bibel. 25 ausgewählte Gottesbilder erklären die Bücher der Bibel und laden zum Gespräch ein.

• «erklärt» – der Kommentar zur Zürcher Bibel. Im dreibändigen Werk ist jeder Textabschnitt mit einem erklärenden Kommentar versehen. Ein Steckbrief und eine inhaltliche und theologische Zusammenfassung fördern die Lesbarkeit. 40 biblische Kommentierende zeigen in bester reformierter Tradition die Vielfalt der Bibel interpretationen. Hinweise auf weiterführende Literatur, Essays und geschmackvolle Bilder aus der biblischen Archäologie ergänzen den Kommentar.

«erklärt» gehört in die Bibliothek jedes Bibellesers!

Gerhard Hubmann

Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich