Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» April 2007
 

Ostern bewegt sich oder: Die Tabula rasa

Haben Sie sich auch schon mal darüber geärgert, dass der Ostertermin ständig wechselt? Hotelbesitzern, Skilehrern, Firmen ist das jedenfalls ein Ärgernis. Zwischen dem 22. März und dem 25. April kann jedes Datum Ostern sein. So springt Ostern hin und her, je nach den Mondphasen am Frühlingsanfang, und die Frage: «Wann ist dieses Jahr eigentlich Ostern?» gehört zu den Standardfragen der Leute, die mit einem Terminkalender leben.

Als Kind hatte ich noch keinen Terminkalender, aber eine «bewegte Schiefertafel».
Das war ein flaches Kunststoffteil in A4-Format, das sich dank einer Transparentfolie mit darunterliegendem Kohlepapier immer wieder von Neuem beschreiben liess. Nach
Belieben konnte man einen zwischen Ober- und Unterseite befindlichen, flachen
Plastikriegel hin- und herschieben und so zuvor aufgezeichnete Buchstaben, Zahlen oder Zeichnungen verschwinden lassen. Der Ordnung von Schrift und Zahlenreihe konnte so also immer wieder ein Schnippchen geschlagen werden. Ein faszinierendes Spiel: aufschreiben, wegwischen, neu beginnen, Neues hinkritzeln usw.

Bereits die Römer gingen trotz ihrer in Stein gemeisselten Schrift dazu über, das Festgeschriebene zu bewegen. Sie verwendeten eine Tabula rasa. Das waren wächserne Schreibtafeln, deren Inschriften je nach Bedarf durch Abschaben, Abwischen
oder Verflüssigung wieder gelöscht werden konnten. Dann konnte es wieder von Neuem losgehen.

So ist also der Ostertermin eine vage Grösse für den Terminkalender, keine von Jahr zu
Jahr bleibende Grösse. Dies könnte ein Zeichen sein: für den Inhalt des Festes, die Auferstehung Jesu von den Toten. So wenig der Ostertermin ein für allemal feststeht, so
wenig liess sich Jesus festlegen: Vor seinem Tod nicht und – wie sich zeigte – selbst als Gekreuzigter liess er sich nicht auf Dauer festnageln, auf die Totenbank verbannen. So wie Ostern in einem nach feststehenden Daten geordneten Kalender ein unordent liches Fest ist, so bringt Jesus alles aus der gewohnten Ordnung: Während seines irdischen Lebens wirbelt er all das, was man von Gott zu wissen meinte, durcheinander, wischt Unwesentliches weg, und mit der Überwindung des Todes erwies sich selbst das Wort «todsicher» als falsch. Damit aber ist das Fundament aller dauerhaften Ordnung aufgehoben: Denn wenn selbst der Tod nicht feststeht, dann ist alle Ordnung relativ. Dann kann auch alles noch so Festgeschriebene weggewischt werden, und vor allem wird kein Mensch je von anderen festgeschrieben werden können.

Leben lässt sich nicht für immer in Ordnungen bringen, auch nicht in die Ordnungen des Verstandes; irgendwo, irgendwann bricht es aus, und sei es nach drei Tagen aus einem Grab. Allen Anläufen zum Trotz: Ostern lässt sich nicht ordentlich auf ein Datum festschreiben, festlegen und weist damit auf den Auferstandenen hin, der Menschen bis heute begegnet, wann, wie und wo er will, und so jeden Tag entordnend  zu Ostern machen kann. Bei Ihnen, bei uns allen. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen: Fröhliche Ostern!

                                                                                                          Pfarrer Thomas Habegger



 

«April, April…!»
Weil der 1. April auf einen Sonntag
fällt, sind dieses Jahr Aprilscherze nur
in wenigen Zeitungen anzutreffen –
was aber nicht heisst, dass man nicht
trotzdem leicht Opfer dieses alten
Brauches werden kann, auf hoffent-
lich witzige Weise in den April
geschickt zu werden.
Die Sitte, am 1. April jemanden an
der Nase herumzuführen und zu
einem vergeblichen Gang zu bewe-
gen, soll aus dem Brauchtum der
römischen Kirche herrühren, die Lei-
densgeschichte Christi öffentlich dar-
zustellen und das spottvolle Hin- und
Herschicken Christi zu veranschau-
lichen. Andere leiten den Brauch vom
veränderlichen, trügerischen April-
wetter ab, wieder andere sehen darin
das Überbleibsel eines heidnisch-
keltischen Frühlingsfestes, das mit
Possen und Spässen gefeiert wurde. 
Dem germanischen Altertum unbe-
kannt, haben Aprilscherze erst in den
letzten Jahrhunderten von Frankreich
her bei uns Eingang gefunden. Es gibt
Deutungen, wonach der «poisson
d’avril» als Frühlingszeichen des Tier-
kreises Fische gelten könnte oder als
Auftakt für die Fischerei am 1. April
und die Verwendung einer zu dieser
Zeit an den französischen Küsten
gefangenen Makrele, die den Namen
«poisson d’avril» trägt.
Was immer am Radio, im Fernsehen
oder in der Familie an Scherzen aus-
geheckt wird, soll letztlich eines be-
wirken: Man kriecht dem anderen auf
den Leim, ist einen Moment lang ver-
blüfft und kann dann herzhaft über
sich selber lachen. Hoffentlich erwischt
es Sie auch in diesem Jahr! 
                       Marianne Guggenbühl
Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich