Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» April 2005
 

Vierzig Tage

Vierzig Tage Osterzeit
.Von Ostern bis Himmelfahrt.
Der Osterkreis im Kirchenjahr.
Vierzig Tage,
in denen sich Jesus als der Lebendige erwies,
den Aposteln erschien, wie Lukas schreibt –
im Vorwort zur Apostelgeschichte.
Sich als lebendig erwies......
wofür kein Beweis mehr nötig ist
und wo dennoch Raum für Fragen und Zweifel ist.
Der ungläubige Thomas,
Maria Magdalena im Garten,
zwei Jünger unterwegs – und die andern am See...
Ganz verschiedene Erfahrungen.
Das Geheimnis wird nicht gelöst,
doch wir spüren, wie es alles durchdringt.
Wenn Maria Magdalena ihn erkennt, als er sie beim Namen nennt,
wenn den Zweien in Emmaus die Augen aufgehn, als er das Brot bricht
und das Tischgebet spricht,
wenn sie am See den Reichtum der Tiefe bergen
und Petrus erkennt:
Es ist der Herr.
Er kommt und geht – auch durch verschlossene Türen
.Er kommt immer wieder
und kehrt dann zurück in die himmlische Welt.
Und doch geschieht es durch alle Zeiten,
immer noch, dass ihm Menschen begegnen,
dass er sich als lebendig erweist...
Er geht euch voran, sprach der Engel am Ostermorgen –
zu den Frauen:
Er geht euch voran. Ihr werdet ihn sehen.
Im Alltag. Im ganz alltäglichen Tun.
Er geht euch voran.
Wohin?
Nach Küsnacht!
So hat es einmal einer meiner Schüler gesagt.
Und man kann es nicht besser sagen:
dass er sich als lebendig erweist –
auch in unserem Alltag und in dem, was wir sagen und tun.
Vierzig Tage? Alle Tage.
Pfarrer Brigitte Crummenerl

 

Zum Nachdenken...Aus «Der Alchimist» von Paul Coelho
...«Nun zeig mir das Leben in der Wüste», sagte der Alchimist. «Denn nur wer Leben findet, kann auch Schätze finden». Sie ritten durch die Dünen, die vom Vollmond beleuchtet waren. «Ich weiss nicht, ob ich Leben finden werde, schliesslich kenne ich die Wüste noch nicht», dachte der Jüngling. Er wollte sich umdrehen, um es dem Alchimisten zu sagen, aber er fürchtete sich vor ihm. Endlich kamen sie an den Ort mit den Steinen, wo der Jüngling die Sperber gesehen hatte; doch alles, was er dort bemerkte, waren die Stille und der Wind. «Ich kann kein Leben in der Wüste entdecken», sagte der Jüngling, «zwar weiss ich, dass es das gibt, aber ich kann es nicht ausfindig machen». «Leben zieht Leben an», bemerkte der Alchimist. Und der Jüngling verstand.  Sogleich liess er die Zügel seines Pferdes locker, und es bewegte sich frei durch die Steine und den Sand...

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Frühling mit vielen Gelegenheiten, das Leben zu entdecken und Schätze zu finden.

Jbolya Tanner
Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich