

Im Märzen der Bauer
So heisst ein Volkslied aus meiner Heimat. Er pflüget den Boden, er egget und sät, heisst es darin. Wir pflügen und wir streuen..., singen wir ganz ähnlich im Gottesdienst.Das Wetter macht unruhig. Föhn und Bise, Sonnenschein und manchmal noch Schnee... Viele schlafen nicht gut in diesen Nächten um die Tag- und Nachtgleiche. Ein tief schlummerndes Sehnen wird wach in der Seele. Träume und Bilder tauchen auf. Manches, was tief vergraben war, worüber harter, krustiger Boden war, bricht wieder hervor – so wie in der Natur. Da wölben nicht nur starke Wurzeln grosser Bäume da und dort den Asphalt, dazu hat auch manchmal eine kleine Blume Kraft genug. Lassen wir uns aufbrechen und brechen wir auf – hinaus ins Weite! Wandern über die Felder, sehen, wie der Acker aufgebrochen ist – in der Bibel ein vielfältiges Gleichnis. Ein schönes Bild – so ein umgepflügter Acker. Die Furchen, die sich in der Weite verlieren, die glänzenden schweren Erdschollen... Sie lassen etwas vom Geheimnis der Erde, der Tiefe ahnen, weil wir das Bild von Saat und Ernte, von Wachsen und Werden in uns tragen. Und ich folge den Furchen mit den Augen und staune, wie gleichmässig die Bauern sie mit dem Pflug gezogen haben. «Wer die Hand an den flug legt und zurückschaut, der taugt nicht zum Reiche Gottes». Und in jedem kleinen Saatkorn ist das Geheimnis der Schöpfung verborgen. Es weiss, ob es Hafer oder Gerste, Roggen oder Weizen wird; und es wächst wie von selbst und trägt Frucht: dreissig-, sechzig- und hundertfältig. So wächst das Reich Gottes unter uns. Das Wort wird ausgesät wie die Saat. Und wir sind zum Sämann berufen, sollen vom Glauben und von unseren Erfahrungen erzählen. Und wir sind auch der Acker, in dem die Saat keimt und wächst – und schliess lich auch die Ernte, die Gott einbringt in seine Ewigkeit.
Mitarbeiter in dieser Ernte sollen wir sein, hat Jesus gesagt. Da sein, nah sein, zuhören...Und seinen Tod hat er als Saat für uns bezeichnet. Die Frucht, die er gebracht hat – vollbracht hat, wird zu einer euen Saat der Vergebung, der Versöhnung, der Liebe. Sie findet den Weg auch durch die kleinsten Risse, wo der Boden in uns aufgebrochen ist – und selbst dort noch, wo etwas zerbrochen ist. Jetzt im Frühling sind die Chancen gut. Da regt sich manches. Es soll uns nicht ängstigen, wenn wir unruhig werden, wenn etwas aufbricht oder gar zerspringt. Es zeigt, dass wir noch nicht ganz verhärtet sind und dass noch Hoffnung besteht – dass auch in uns noch etwas auf fruchtbaren Boden fallen kann. Und mit Gottes Segen wird es auf - keimen, wachsen und Frucht bringen.
Pfr. Brigitte Crummenerl
Ende oder Neubeginn?
Für den März trifft wohl beides zu, weil das Ende des Winters vermutlich für die meisten Menschen der Beginn des Frühlings ist. Die Tage werden länger als noch zur Weihnachtszeit. Nicht nur die Menschen bemerken das, auch die Natur ist bereit, ihre Triebe wie jedes Jahr von Neuem zu entfalten. Diese Vitalität sollte auch uns Menschen beflügeln, denn schliesslich sind wir Baumeister unseres eigenen Lebens. Die Kirche ist in manchen Lebens lagen oft zweitrangig. Denn das Glück fliegt einem nur so zu, und «man ist einfach gut drauf». Aber wir sind uns bewusst, dass dies nicht immer so bleibt. Zwar hoffen wir, dies möge sich nicht so schnell ändern, aber insgeheim wissen wir, dass man immer wieder auf den Boden der Realität zurück kommt. Baumeister seines Lebens sein, heisst auch, sich an seine Wurzeln zu erinnern, an sein Fundament, die eigene Familie, die Freunde, an den Glauben, die Kirche. In solchen Zeiten einen Ort zu kennen, wo man wieder Kraft schöpfen kann, ist unzahlbar. Dieser Ort muss aber auch mit Kraft erfüllt sein! Unsere Kirche ist das, was wir daraus machen: Es soll eine lebendige Kirche sein – mit Leuten, die positiv denken, sich spontan engagieren und die es verstehen, auf andere Menschen zuzugehen und einen Ort zu schaffen, wo Kraft ist. Jeder von uns kann die Werte des christlichen Glaubens weiter geben, denn jeder von uns wird einmal seinen Lebenswinter erfahren und ist dann froh, in den Frühling begleitet zu werden.
Hansjörg Kauer
