Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» März 2009
 

Kirche – Institution oder Gemeinschaft?

«Viel Vertrauen in Gott, aber weniger in die Kirche... Der Glaube an Gott ist für viele Schweizer ein Mittel, um Krisen zu über - winden. Das Vertrauen in die Kirche ist dagegen nicht allzu gross», so hiess es vor einigen Monaten in einem Artikel der Reformierten Presse.

Die Aussage hat mich bereits dazu bewogen, zwei Leitartikel zum Thema «Glaube und Kirche» zu schreiben, in denen ich die untrennbare Verbundenheit von Glauben und Kirche geltend machte. Dennoch bleibt die Art dieser Verbundenheit noch unklar. Der Glaube orientiert sich jeweils an einer bestimmten Sprachtradition, und jede Tradition steht in enger Wechselbeziehung zu einer Gemeinschaft, die diese pflegt und weitergibt. Von daher leuchtet es ein, dass Kirche und Glaube wesentlich zusammen gehören. Wie es letztlich keine private Sprache gibt, so gibt es auch keinen privaten Glauben. Die Verbundenheit von Glaube und Kirche als eine Gemeinschaft der Gläubigen bedeutet aber bei weitem nicht, dass unsere Kirche eine solche Gemeinschaft ist. So drängt sich die Frage auf, ob die Reformierte Landeskirche bloss eine unter vielen Institutionen oder auch eine Gemeinschaft von Menschen ist, welche die Sprache des Glaubens pflegt und tradiert. Institution oder Gemeinschaft – wo stehen wir heute?

Die Frage nach dem Verhältnis von Institution und Gemeinschaft war bereits in der Zeit nach Konstantin virulent, und schon früh hat man fundamentale Unterschiede in Bezug auf den Kirchenbegriff getroffen, wie etwa die Unterscheidung zwischen der Kirche als Institution und als Gemeinschaft der Gläubigen – oder jene zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Kirche. Im Allgemeinen galt das folgende Prinzip: Die sichtbare Kirche ist die Kirche als eine Institution der Gesellschaft mit ihren verschiedenen Ämtern usw., während die unsichtbare Kirche eine Gemeinschaft der Gläubigen ist. Über dieses Prinzip herrschte zur Zeit der Reformation Einigkeit sowohl unter Katholiken als auch unter Reformierten. Es entstand jedoch die Streitfrage, wie die Verbundenheit der sichtbaren und der unsichtbaren Kirche zu verstehen sei.

Im Zweiten Helvetischen Bekenntnis von 1562 lehrte Heinrich Bullinger, dass die unsichtbare Kirche, also die Gemeinschaft der Gläubigen, allein durch die Verkündigung des Gotteswortes begründet ist. Innerhalb der sichtbaren Kirche als Institution entsteht die unsichtbare Kirche im Gottesdienst durch die Verkündigung des Wort Gottes. Nicht die Hierarchie der Institution, nicht ihre Bürokratie und auch nicht die Pfarrerschaft sind der wahren Kirche Fundament, sondern es ist die reine Verkündigung des im Alten und im Neuen Testament festgehaltenen Wort Gottes. Diese Fest stellung liefert zwar keine direkte Antwort auf die Frage, ob unsere institutionelle Kirche auch eine Gemeinschaft von Gläubigen ist. Sie ist aber ein Wegweiser zum Verstehen unserer Kirche, und sie soll uns zur ernsthaften Überlegung bewegen.
Pfr. Jack E. Brush



 

Kirche – Ort der Begegnung
Im vergangenen Jahr wurde unsere Kirche im Innern umfassend saniert. Fast ein halbes Jahr lang mussten deshalb die Gottesdienste und andere kirchliche Anlässe ins Kirchgemeindehaus verlegt werden. Diese Übergangslösung war sicher zumutbar, da es noch  mehr Alternativen gab. Aber etwas fehlte doch!

Das lag zwar nicht am Pfarrteam – die Pfarrer predigten und leiteten die Gottesdienste so, wie wir uns das gewohnt waren, jeder auf seine Weise. Auch die musikalischen Umrahmungen wurden mit Klavier, Chören oder Musikgruppen in den Gottesdienst eingebracht. Es heisst, Gottesdienst feiern kann man überall, wo sich gläubige Menschen versammeln.

Und doch, es fehlte der Raum! Der Raum, die Kirche eben, der diese spezielle Atmosphäre, die Mystik, die Stille ausmacht. In der Kirche versammeln sich Leute, man fühlt sich in der Gruppe geborgen. Natürlich kann man auch allein in die Kirche gehen, wenn sie nicht voll beleuchtet ist, wenn der Organist auf der Orgel Lieder einstudiert... dann, wenn man Zeit hat für sich selbst. Es heisst, Gott kann man überall finden. Warum nicht auch in unserer schönen Kirche?
Hansjörg Kauer
Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich