

In Vino Veritas
Wein ist nicht zuletzt durch das Abendmahl zum christlichen
Symbolgetränk schlechthin geworden. Warum eigentlich?
Der erste Winzer war gemäss der Bibel kein Geringerer als Noah:
Nach der Sintflut hat er Weinreben gepflanzt (Gen.9,20-27). Der zweite biblische
Wein-Einsatz ist für heutige Verhältnisse allerdings unvorstellbar: Lot wird von seinen
Töchtern betrunken gemacht (Gen.19,30-37): Er sollte nicht merken, dass sie sich «zu
ihm legten» um schwanger zu werden – damals konnte die Erhaltung des Familienstamms gewichtiger sein als ein Inzestverbot. Und auch eine dritte biblische Wein-Story ist ethisch mehr als heikel: Absalom befiehlt seinen Knechten Amnon zu töten, wenn er «Vom Wein guter Dinge geworden ist» (2.Sam.13,28).
Religionsgeschichtlich ist es die symbolische Gleichsetzung mit Blut und die Doppeldeutigkeit, die Wein so anziehend macht. In der Bibel finden sich über 500 Stellen, die mit Wein zusammenhängen. Wein kann von Sorgen erlösen, zur Ekstase führen, aber auch Leben zerstören. Wein spielt deshalb im Kult eine hervorragende Rolle. Vom Trankopfer im Alten Testament über den Dionysos-Kult im antiken Griechenland bis zum christlichen Abendmahl, wo Jesus über den Wein sagt: «Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird» (Mk.14,24).
Wein ist also weit mehr als vergorener Rebensaft. Er ist ein Segen Gottes – aller Gefährlichkeit des Alkohols zum Trotz. Denn auch Noah ist dem Weingenuss erlegen: Als er «vom Wein trank, wurde er berauscht und lag nackt in seinem Zelt» und musste von seinen Söhnen zugedeckt werden. In den biblischen Sprüchen und Briefen wird denn auch zur Mässigung aufgefordert: «Ein wenig Wein um deines Magens willen!» heisst es etwa in 1.Tim.5,23. Mass halten als Zugang zu göttlichem Weingenuss.
Dank der Psalmen und dem Prediger verbindet sich Wein biblisch mit Lebensfreude:
Im Schöpfungspsalm (104,15) ist es Brot, welches das Herz «stärkt» und Wein, der das Herz «erfreut». Sogar Gott selbst wird in Psalm 78,65 mit Weintrinken verbunden: «Da erwachte der Herr... wie ein Held, der vom Wein bezwungen war». Und im Haussegenspsalm wird die Frau als «fruchtbarer Weinstock» beschrieben (128,3) –
ein Motiv, das im Hohelied erotisch ausgeführt und von Jesus in Bezug auf sich selbst aufgenommen wird: «Ich bin der Weinstock, ihr die Reben» (Joh.15,5). Vielleicht hat er gerade auch deshalb Wasser in Wein verwandelt (Joh.2,7-9) und musste sich des Rufes ein «Säufer» zu sein (Mt.11,19) erwehren. Doch als Zeichen für die göttliche Liebe war Jesus Wein gerade recht – und «Wasser wohl etwas zu dünn» (Pater Anselm Grün).
Pfarrer Andrea Marco Bianca
Abschied – Gemeinschaft – Vergebung
Ende Januar trafen sich erstmals alle
Abendmahlshelferinnen und -helfer,
unsere Pfarrer und ein katholischer
Pfarrer zu einem gemeinsamen Tag.
Üblicherweise werden die Helferinnen
und Helfer einzeln für die Gottesdienste
aufgeboten. Bislang haben sie sich noch
nie getroffen, um sich über ihre Erfahrungen,
Eindrücke, Fragen auszutauschen.
Der gemeinsame Tag in der Zisterzienserinnen-
Abtei Wurmsbach (Bollingen bei Rapperswil)
begann mit einem Rundgang durch den
neu renovierten «Lichthof», dem Gästehaus.
Danach folgte ein spannender Einblick in
die Impulsschule (Mädcheninternat Sekundarschulstufe).
Das Miteinander der verschiedenen
Konfessionen und die bewusste
Förderung dieser jungen Menschen
waren überaus eindrücklich.
Am Nachmittag bildeten die Vorträge
der fünf anwesenden Pfarrer über das
Abendmahl den prägenden Teil.
In den immer wieder aktiv aufgenommenen
Zwischengesprächen profitierten nicht nur
die Abendmahlhelferinnen und -helfer,
sondern alle.
Inmitten des grossen Kreises einer
klösterlichen Gemeinschaft, inmitten
eines weiteren, kleineren
Kreises von Menschen die das
Abendmahl austeilen, war der Tag
offenbar für alle ein Gewinn.
Die Worte «Gemeinschaft»
und «Vergebung» werden uns noch
lange in Erinnerung bleiben.
Mit diesen zwei für mich prägenden
Worten möchte ich mich als Kirchenpfleger
von Ihnen verabschieden und grüsse Sie ganz herzlich.
Christoph Schweiss
