Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» März 2005
 

Das Puzzle-Experiment

Als Kind habe ich liebend gerne Puzzles zusammengesetzt.
Zuerst solche mit nur wenigen und grossen Teilen, mit zunehmendem
Alter wurden sie zahlreicher, kleiner und die Arbeit
kniffliger.


Gross war die Freude, wenn das letzte Teilchen eingesetzt war – gross aber auch die Irritation, wenn eines oder mehrere fehlten. Dann war das Bild einfach nicht komplett, und das störte ungemein. Denn das Spiel muss doch aufgehen und zu einem «guten» Ende kommen, mit einem Bild, das klare Konturen hat, oben und unten, links und rechts seine Begrenzung findet und ein Stück Sicherheit vermittelt. Fehlende Bausteine gefährden diese Sicherheit. Und dann beginnt zuerst die grosse Suche nach dem Fehlenden, bis es – vielleicht – wieder auftaucht. Schön, wer so das Leben nachspielen, zusammenfügen, ergänzen, erweitern und ein – vorläufiges - Bild davon erschaffen kann.
Als Erwachsener gelingt das nicht mehr so leicht. Die «Löcher» in unserem Leben, die dunklen Aussparungen, die vergessenen Zeiten werfen stets von neuem Fragen auf, lassen das eigene Leben als unvollständig erscheinen und in Frage stellen. Gleichzeitig weist es hin auf die Untrennbarkeit von Ganzheit und Lückenhaftigkeit, Erfüllung und Mangel, im Letzten auf Tod und Leben. Denn diese Aussparungen auf dem Lebensbild lassen die Brüchigkeit und Verletzlichkeit unseres Lebens erahnen. Und manchmal lassen sie gar befürchten, dass das eigene Leben nicht gelingen könnte.
Es bleibt uns, so denke ich‚ nichts anderes übrig, als uns den «Mut zur Lücke» schenken zu lassen. Denn unser Leben und das angefertigte Lebensbild sind voller Dynamik, die uns nicht ihn Ruhe lassen, uns antreiben, Fehlendes zu suchen, und wo die Suche nicht erfolgreich ist, Fragen offen zu lassen und auszuhalten. Ganz bestimmt sollten wir dabei von den Kindern lernen und wie sie den Mut haben, das Bild auch wieder aufzubrechen, die einzelnen Teile auf einen Haufen zu legen und wieder von vorne zu beginnen. Wir können uns der Dynamik des Lebens stellen – eingeholt werden wir auf jeden Fall immer wieder. Schmerzlich dann, wenn «einem die Welt zusammenbricht» oder wir ratlos «vor einem Scherbenhaufen stehen».
So wird denn dieses Bild von uns und von anderen nie ganz komplett sein. Und das ist auch gut so. Gewiss werden wir nicht allein gelassen mit unseren Lücken, denn seit Ostern ist uns verheissen, dass «der Vorsprung Leben ungeheuer ist» (Kurt Marti). Und zwar durch den, der da durch die ganz grosse Lücke hindurch gegangen ist und sie für uns offen hält, auf dass wir an all den Unzulänglichkeiten und all dem Stückwerk in unserem Leben nicht verzweifeln und bei unserem Experiment Leben von neuem mit Mut und Verspieltheit aufbauen und abbrechen, ergreifen und loslassen, kommen und gehen können.
Pfarrer Thomas Habegger



 

FrühlingFrüher hatten nicht alle diese Jahreszeit gern. Man konnte den Frühling nicht richtig geniessen, da man unter Frühjahrsmüdigkeit litt. Eine Krankheit, die heute selten ist, da es meistens genügend frisches Gemüse und Obst gibt.
So geniessen wir, dass es langsam wärmer wird und freuen uns auf die längeren Tage und die Natur, die mit jedem Tag farbiger wird. Nach dem ersten Frühlingsvollmond wird das wichtigste kirchliche Fest, das Osterfest, gefeiert, dieses Jahr im März.
Wenn ich an frühere Ostern zurückdenke, so werden viele Erinnerungen wach an Karfreitags- und Ostergottesdienste, an spannendes Ostereiersuchen, aber auch an geruhsame Osterspaziergänge im Tessin. Einer dieser Spaziergänge führte uns nach Ponte Capriasca, wo wir in der Pfarrkirche San Ambrogio das grosse Abendmahlgemälde von 1550 bewunderten. Es ist eine treue Kopie des Freskos von Leonardo da Vinci im Refektorium von Santa Maria delle Grazie in Mailand. An diesem Abendmahl, das letzte von Jesus mit seinen Jüngern, sagte Jesus, dass die Jünger dieses Mahl zu seinem Gedächtnis feiern sollen; auch wir tun dies an hohen Feiertagen. Wer diese Ostergeschichte in der Bibel liest, erfährt ebenfalls, dass in jenen Tagen auch das Passah-Fest zum Gedenken an den Auszug der Israeliten aus Ägypten gefeiert wurde. Das Datum des Passahfestes richtet sich auch nach dem Frühlingsvollmond.
Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Osterfest.
Ulrich Zahler

Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich