

Auf der Suche nach Heimat, Liebe und Geborgenheit
Unglaublich – schon wieder ein Jahr um... Zwar etwas verblüfft ob dieser Erkenntnis, zugleich aber von kindlicher Vorfreude erfüllt, steige ich in den Keller und suche im Regal nach der Schachtel, in der ich das Jahr über die Krippe und die übrige Advents- und Weihnachtsdekoration aufbewahre. Ich liebe die Adventszeit. Die dunkle, kalte Nacht, die weihnachtlich geschmückten Häuser und Strassen, die hell erleuchteten Stuben, der Duft von Orangen, Zimtstangen, Anissternen und frisch gebackenen Weihnachtsguetzli – einfach himmlisch.Doch was steckt hinter dieser kindlichen Freude, hinter der Faszination für diese traumhafte Welt? Was ist es denn eigentlich, das diese Zeit so besonders macht? Was unterscheidet sie von anderen Jahreszeiten, anderen kirchlichen Festzeiten? Die Weihnachtszeit ist eine Zeit voller Traditionen, die über die Generationen hinweg weiter gegeben werden. Weihnachtszeit ist auch Familienzeit. In unserer Gesellschaft und Kultur ist tief verankert, dass Weihnachten zurückgezogen in der Familie begangen und gefeiert wird. Viele Menschen erinnern sich an die Weihnachtszeit, wie sie sie in ihrem Elternhaus erlebt haben: ans Krippenspiel in der Sonntagschule, ans Basteln der Weihnachtsgeschenke an schulfreien Nachmittagen, ans lange Warten, bis es dann endlich so weit war und das Glöcklein erklang und die verzauberte Stube mit dem geschmückten Christ baum betreten werden durfte. Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Erinnerung. Nicht immer beglücken uns diese Traditionen und Erinnerungen. Sie lassen uns schmerzlich empfinden, was wir verloren haben. Die Weihnachtszeit ist eine Zeit, in der wir Verluste besonders stark spüren. Die fehlende Geborgenheit lässt uns allein zurück. Die Weihnachtszeit ist eine Familienzeit. Doch was, wenn unsere Familie zerbrochen ist? Was, wenn wir in den Traditionen unserer Gesellschaft keine Heimat finden? Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Wünsche, der Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Diese Bedeutung hat Weihnachten über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg beibehalten. Die Weihnachtsbotschaft von der Menschwerdung Gottes, der Erlösung der Welt, dem Erstrahlen des Lichtes in der Dunkelheit bringt diese urmenschliche Sehnsucht zum Ausdruck. Sie widerspiegelt die Suche des Menschen nach Liebe und Geborgenheit. Doch was, wenn wir in der Adventszeit, in dieser dunklen und kalten Jahreszeit keine Antwort auf unsere tiefe Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit finden? Liebe Leserin, lieber Leser Gemeinsam sind wir unterwegs auf der Suche nach Heimat, Liebe und Geborgenheit. Festgefahrene Traditionen können uns unendlich belasten und bedrücken. Sie halten uns zurück, sie bringen uns nicht weiter. Manchmal müssen wir sie hinter uns lassen, denn sie bringen vergangene Zeiten des Glücks nicht zurück. In ihrem ganz ursprünglichen Sinn lädt uns die Weihnachtszeit ein, aufzubrechen und uns, von unserer ungestillten Sehnsucht angetrieben, voller Hoffnung auf die Suche zu machen nach dem Licht, das an Weihnachten in die Dunkelheit hereingebrochen ist. Ich wünsche Ihnen von Herzen einen gesegneten Aufbruch, dass die diesjährige Weihnachtszeit zu einer Zeit der Hoffnung und Inspiration werden darf!
Pfr. Anne-Marie Vogel
Rückblick im Aufbruch
Schon wieder ein Jahr um – schreibt unsere neue Pfarrerin im Leitartikel. Demnächst ist das Jahr um. Der Advent, die Erwartung auf das Weihnachtsfest gehören zwar noch zu diesem Jahr. Weihnachten ist aber das Tor zur Zukunft. Die Schwerpunkte im zu Ende gehen den Jahr waren in besonderem Mass auf die Zukunft gerichtet: Nach dem Eintritt von Jack Brush ins Pensionsalter war die Pfarrstelle neu zu besetzen. Die eigens dafür ernannte Pfarrwahlkommission hat in sehr gutem Klima und in zielorientierter Weise gewirkt, wofür ihr Dank und Anerkennung auszusprechen ist. Das Ergebnis ist nicht nur durch die gute Arbeit der Pfarrwahlkommission, son dern auch durch die glückliche Fü gung ein ausgezeichnetes. Die Got tesdienste und der nebenstehende Leitartikel, welche Wärme und christ liche Liebe ausstrahlen, belegen die Kompetenzen von Anne-Marie Vogel. Herzlichen Dank der Kirchgemeindeversammlung für die Unterstützung! Für unsere Kirchgemeinde tragend wa ren die vielen Veranstaltungen, die von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorbereitet und von unseren unzähligen freiwilligen Helferinnen und Helfern realisiert wurden. Allen am Kirchenleben Beteiligten sei an dieser Stelle herzlichst gedankt! Nun wünsche auch ich den Leserinnen und Lesern des «info» von Herzen eine gesegnete Adventszeit, ein wunderbares Weihnachtsfest und ein glückliches und gesundes neues Jahr.
Max Heberlein, Kirchenpflegepräsident
