Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» Dezember 2008
 

Warten auf das neue Licht

Weil ich seit meiner Amtseinsetzung im Juni nicht mehr die Gelegenheit hatte, einen Gottesdienst in «meiner» Kirche zu feiern, freue ich mich als Pfarrer besonders auf den ersten Gottes dienst in der renovierten Kirche.

 Da der Kirchenraum während der halbjährigen Bauzeit weder umgestaltet noch tiefgreifend verändert worden ist, mag sich der eine oder andere Gottesdienstbesucher wohl fragen, was denn nun so viel anders aussehe als vorher. Bis auf eines, so hoffe ich, die Beleuchtung. Die
alten Lampen sind verschwunden, und neuartige Leuchten lassen unsere altehrwürdige Kirche in einem neuen Licht erscheinen. Über die Ästhetik der neuen Lampen liesse sich freilich streiten... Doch eigentlich haben Lampen nicht die Funktion, selbst gesehen zu werden, sondern dienen dazu, ihre Umgebung zu erhellen. So verhält es sich mit den Lampen in unseren guten Stuben, in unserer schönen Kirche, und so ist es auch mit der Sonne.

Nicht ganz sicher bin ich mir bei einem anderen Himmelskörper, der schon seit zwei Jahrtausenden viel zu reden gibt: dem Stern von Bethlehem. Er hat ja die Erde kaum erhellt. Und er war auch nicht nur da, um bewundert zu werden. Er hatte die ganz einmalige Funktion, den Sterndeutern aus dem Osten den Weg zum Jesuskind zu weisen. Als diese an dem Ort, über dem der Stern stehen geblieben war, angekommen waren, fanden sie in einem Haus das Kind mit Maria, seiner Mutter. Seit mir beim Betrachten eines alten Weihnachtsbildes die Augen aufgegangen sind, sehe ich jedes Mal, wenn ich die Weihnachtsgeschichte lese, ein helles Licht, das von dem Kind in der Krippe ausgeht und die versammelte Schar anstrahlt.

Ein göttliches Licht muss es gewesen sein in jener heiligen Nacht. Und eigentlich müsste man annehmen, dass kein menschliches Auge die gleissende Helligkeit eines solchen Lichtes ertragen könnte, kein Mensch je Gott ins Angesicht geschaut hat, ohne dabei Schaden zu nehmen. Nicht so beim Kind in der Krippe. Das Licht, das von diesem Jesuskind ausgeht, ist ein sanftes, warmes Licht. Niemand nimmt Schaden, kein Mensch wird vernichtet ob seinem Anblick. Gott ist Mensch geworden und dabei doch Gott geblieben. Das göttliche Licht hat seine vernichtende Kraft verwandelt in eine heilsame, rettende.

Und noch etwas: das Licht, das mit Jesus Christus in die Welt gekommen ist, zeigt uns, dass es durchaus Lichter gibt, die als solche gesehen werden wollen. Jesus ist uns als leuchtendes Beispiel vorangegangen, wie wir mit unseren Nächsten umgehen sollen – und andere sind ihm gefolgt. Es ist gut zu wissen, dass wir das weihnächtliche Licht nicht uns selbst zu verdanken haben, sondern der unfassbar grossen Liebe Gottes, die auch da nicht an ihre Grenzen kommt, wo wir nur noch schwarz sehen.

Pfarrer René Weisstanner

 



 

AdventLiebe Kirchgemeinde

Bei meiner Konfirmationsvorbereitung waren genaue Kenntnisse des Kirchenjahres fester Bestandteil. Besonders populär waren damals Kirchensonntage wie Quasimodogeniti (wie neugeboren) eine Woche nach Ostern und Jubilate (jubelt!) am dritten Sonn tag nach Ostern sowie Kantate (singet dem Herrn!) vier Wochen nach Ostern, aber vor allem die lange Zeit nach Trinitatis (Dreifaltigkeitsfest) am ersten Sonntag nach Pfingsten.

Nun beginnt mit dem Advent (Ankunft) wieder der ganz besonders aktive Teil des Kirchenjahres, der zum Weihnachts fest und dann über die Passionszeit zu Ostern, Auffahrt und Pfingsten führt.
Am 4. Advent dürfen wir uns auf die Wiedereröffnung unserer Kirche freuen. Die renovierte Kirchendecke, das neue Beleuchtungssystem und der frische Anstrich werden dann für alle Gottesdienstbesucher sichtbar, und die revidierte Orgel wird wieder in den schönsten Tönen erklingen. Nach der Zeit des Gottesdienst-Exils im reformierten Kirchgemeindehaus Küsnacht können wir unsere Kirche wieder erleben. Zu den Festlichkeiten der Wiedereröffnung und zu den Gottesdiensten der Weihnachts und Neujahrszeit laden wir Sie, liebe Kirchgemeinde, ganz herzlich ein.

Und für die Weihnachts- und Neujahrszeit wünschen wir Ihnen viel Freude und Gottes Segen.

Gerhard Hubmann, Vizepräsident Kirchenpflege

Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich