Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» Dezember 2007
 

Nehmen Sie Gott auf den Arm

Gott auf den Arm nehmen? Was wie ein frecher Witz tönt, wird an Weihnachten Wirklichkeit. Gott kommt als Kind auf die Welt und sucht uns auf diesem ungewöhnlichen Weg zu begegnen. Mehr als ein Spruch für Sie?


Stellen Sie sich vor:

Stellen Sie sich vor:

Gott
Schafft Raum und Zeit
Geschöpfe
Schenkt Nahrung
Eine Aufgabe
Sinn

Spricht mit dem Menschen
Es meldet sich
Der Wille
Der freie
Nimmt sich Raum
Vergisst die Zeit
Findet
Tod

Gott
Schickt Boten
Verhandelt
Verzweifelt Verstummt

Ist sich nicht zu schade
Kommt selbst
Auf diese Welt
Wird einer jungen Frau
Kind
Schreit
Im Futtertrog
Nach Liebe

Es kommen Armselige
Geben sich
Ausländer
Bringen Geschenke
Mächtige
Schicken Mordkommandos
Spüren das Leben selbst
Will dem Tod und seinen Helfern
Begegnen

Die Mutter und ihr Freund
Er nahm das Kind an
Machen sich auf den Weg
Geben Gott Raum und Zeit
Finden
Leben

Und Sie
Nehmen Sie Gott auf den Arm

 

Pfarrer Helen Jäggi Kosic



 

Bessere Menschen

Ich war nie wirklich ein Fan der deutschen Schlagersängerin Nena. Ihr Lied von den «99 Luftballons» und die deutsche Welle haben mich als Teenager nicht mitreissen können. Und doch bin ich kürzlich an einem Interview mit Nena hängen geblieben und habe mich beeindrucken lassen. Nena offenbarte den Zuhörern ihre Strategie, wie sie ein «besserer Mensch» werden möchte: Sie habe gelernt, dass negative Aussagen, Aktionen und Emotionen von ihr beim Gegenüber desgleichen negative Gegenreaktionen auslöse, was ihr dann wiederum Bauchschmerzen verursache. Sie versuche deshalb – auch aus einem gewissen Eigenschutz heraus – ihren Mitmenschen optimistisch zu begegnen und das Gute in ihnen zu sehen, um so ebenfalls auf eine positive Gegenreaktion zu stossen. Dieses Interview hat mich nachdenklich gemacht, und ich liess einige Szenen aus meinem beruflichen, privaten und Kirchenpflege-Alltag Revue passieren...

Ihnen wünsche ich zur Weihnachtszeit und für das neue Jahr das Vertrauen, dass Vieles gut ist und wir – wenn wir wollen – darauf bauen können und dürfen. Ich wünsche mir etwas mehr Freude, wenn ich in die Gesichter meiner Mitmenschen (und in mein Eigenes) blicke. Uns allen wünsche ich, dass wir im Konzentrieren auf das Positive dazu beitragen, selber glücklichere Menschen zu werden und so im Kleinen mithelfen, dass unsere Welt glücklicher und so besser wird.

Marianne Berger, Kirchenpflegepräsidentin

Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich