Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» Dezember 2005
 

Friede den Menschen auf Erden

Im Lukasevangelium lesen wir: «Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden». Es ist ein sehr tiefes Wort, das die himmlischen Heerscharen an die Menschen, auch an uns, in jener geweihten Nacht gerichtet haben: «Friede den Menschen».

Gott sei Dank, dass wir in einem Land des Friedens leben, aber ich glaube, die Engel hatten nicht nur an diesen Frieden, sondern auch an den inneren Frieden gedacht bei ihrer Verheissung. Ohne den inneren Frieden werden wir niemals eine tiefe Freude am Leben erfahren – die Freude der Liebe, die Freude des Weihnachtsfests, die vielen kleinen Freuden des Alltags. In seinem Lied «Kommt und lasst uns Christum ehren» hat Paul Gerhardt, der berühmte Liederdichter und Pfarrer des 17. Jahrhunderts, geschrieben: «Sehet, was hat Gott gegeben seinen Sohn zum ewigen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid in’s Himmels Freud». Das waren nicht einfach fromme Worte eines Pfarrers, sondern das Glaubensbekenntnis eines Mannes, der aus Gewissensgründen sein Pfarramt aufgeben musste und der innerhalb kurzer Zeit vier Kinder und seine Frau durch den Tod verlor. Wenn wir diese Freude erleben wollen, wie er sie erlebt hatte, und zwar trotz allem Leiden in seinem Leben, müssen wir zum inneren Frieden des Herzens gelangen.

Vielleicht ist es gut, wenn wir einmal darüber nachdenken, wie sprachlich dicht beieinander stehen und wie eng verwandt sind die Worte: Frieden und Zufriedenheit. Unsere Zeit ist eine gefährliche Zeit für den Frieden, aber auch für die Zufriedenheit. Erscheint nicht Zufriedenheit vielen Menschen unserer Gesellschaft als eine Illusion, als ein nicht zu erreichendes Ziel, als wollte man dem eigenen Schatten nachjagen? Man krampft und schuftet, aber die erwünschte Zufriedenheit bleibt einem immer einen Schritt voraus. Dies gibt uns wenigstens Anlass zu bedenken, ob wir Zufriedenheit am falschen Ort suchen. Es ist vielleicht nicht nötig, immer wieder der Abwechslung, der Zerstreuung, dem Vergnügen nachzustreben. Denn dies sind Sachen, die den Menschen niemals zum inneren Frieden kommen lassen.

Ich habe über die Jahre viele Menschen kennen gelernt, und diejenigen, die dem Gewinn, dem Genuss, dem Geld oder der Macht nachjagten, waren sicher nicht die Glücklichsten. Was echte Zufriedenheit im Leben bewirkt, ist nach meiner Erfahrung nur das eine, nämlich unbekümmerte Beziehungen zu andern. Kein Mensch kann ganz für sich allein leben, gleichsam auf einer Insel. Er braucht Beziehungen zu andern – zu andern Menschen und zu Gott. Sind diese Beziehungen von Schuld, von Unehrlichkeiten, von Hass belastet, dann gelangt der Mensch niemals zum inneren Frieden, gleichgültig wie erfolgreich er wird. Der Mensch lebt von unbekümmerten Beziehungen wie von einer unerschöpflichen Quelle des Lebens. Aus den Beziehungen zu andern Menschen und zu Gott schöpft er immer wieder neue Kraft, und in diesen Beziehungen entdeckt er den inneren Frieden, von dem die Engel sprachen: «Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden». Pfarrer Jack E. Brush



 

Advent

Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung auf die Geburt Christi. Vieles, was wir in dieser Zeit  nternehmen, hat mit der Vorfreude auf die Ankunft des Heilands zu tun. Dieses Jahr müssen in der Adventszeit auch die Kandidatinnen und die Kandidaten für die Kirchenpflege der Amtszeit 2006-2010 gesucht werden, als Vorbereitung für die Wahl, die am 12. März 2006 stattfindet.

Wer sich für die Kirche interessiert und etwas für diese tun möchte, und auch bereit ist, mit seinen Kolleginnen und Kollegen zusammen zu arbeiten, kann sich auch jetzt noch als Kandidatin oder als Kandidat zur Verfügung stellen. Damit sich solche Personen keine falschen Vorstellungen  über das Amt des Kirchenpflegers machen, sei Ihnen empfohlen, sich bei einem Mitglied der  Kirchenpflege über deren Tätigkeit zu erkundigen, die viel Arbeit, aber auch viel Befriedigung gibt.

Zu der Zeit, wo diese Zeilen geschrieben werden, kann man noch nicht sagen, ob wir um jedes neue Mitglied froh sein müssen, oder ob es einen Wahlkampf um die fünf freien Plätze gibt. Wichtig scheint mir aber, dass ein allfälliger Wahlkampf sachlich und ohne Ehrverletzungen geführt wird. Man soll nicht vergessen, dass wir in der Adventszeit sind, also vor einem Fest, wo es um Frieden geht. Es geht aber auch um die Sache, das heisst um das Wohl der Kirchgemeinde, die Kirchenpflege soll ja zusammen und nicht gegeneinander arbeiten. Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Adventszeit. Ulrich Zahler

Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich