Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» November 2010
 

Wort und Geist zur Zeit der Reformation

Sucht man nach einem Stichwort, welches das religiöse Empfinden der Gegenwart zum Ausdruck bringt, scheint mir die Wahl nicht schwer zu sein. Es handelt sich um eine Wortprägung aus dem Lateinischen: «Spiritualität». Dieses Wort erscheint immer häufiger in der Literatur unserer Kirche, entweder allein oder zusammen mit dem Wort «Glaube». Dabei ist es meistens unklar, ob der Verfasser Spiritualität als mit Glauben gleichbedeutend versteht oder aber den Glauben im reformatorischen Sinne durch die Spiritualität ersetzen will. Wie dem auch sei, es fällt auf, dass man heute leichter von Spiritualität als von Glaube reden kann, weil manche Menschen ein intuitives Verständnis von Spiritualität haben, während sie den Glauben als traditionsbelastet und schwerfällig empfinden. Angesichts dieses Umstandes kommt man als Kirchenvertreter beinahe zwangsläufig in Versuchung, den Glauben stillschweigend in den Hintergrund treten zu lassen, um sich der neuen Bewegung anzuschliessen und die Spiritualität als einen zentralen christlichen Begriff hervorzuheben. Was jedoch ein leichtes Unbehagen erweckt, ist die Erkenntnis, dass das Wort «Spiritualität » im heutigen Sinn so gut wie gar nichts mit der Reformation zu tun hat. Der moderne Begriff der Spiritualität ist erst im 20. Jahrhundert im Rahmen der  Ordenstheologie Frankreichs entstanden und zwar als Bezeichnung eines Geistprinzips im Menschen selbst. Die Reformatoren hingegen haben vom Heiligen Geist, nicht von der Spiritualität des Menschen gesprochen. Der Unterschied zwischen den beiden, dem Heiligen Geist und der menschlichen Spiritualität, zeigt sich deutlich in Bezug auf die Sprache. Die Wechselbeziehung von Wort und Glaube war die Signatur der Reformation. An die Stelle der katholischenMesse, die den Kern des mittelalterlichen Gottesdienstes bildete, trat bei den Reformatoren die Verkündigung von GottesWort, das den Menschen zum Glauben ruft. Die Reformatoren haben aber den Glauben nicht als eine Leistung des Menschen, sondern als ein Geschenk Gottes verstanden. So wie das verkündigte Wort denMenschen zum Glauben ruft, so wirkt der Heilige Geist in der Seele des Menschen,  um ihn zum Glauben zu bewegen. Der Glaube entsteht  leichsam im Spannungsfeld zwischen der Wirkung des Heiligen Geistes im Inneren des Menschen und der Wirksamkeit des verkündigtenWortes von aussen. Gerade diese Bezogenheit auf das gesprochene Wort fehlt jedoch bei der modernen Vorstellung der Spiritualität. «Spiritualität» bezeichnet ein Geistprinzip im Menschen, wobei völlig unklar bleibt, ob es bloss um den menschlichen Geist oder um den Heiligen Geist geht. Anlässlich des Reformationssonntags empfiehlt es sich, die zentrale Stellung desWortes nochmals in Erinnerung zu rufen. Allein durch das Wort können wir die Geister prüfen, ob sie von Gott stammen oder nicht. Und dieses prüfende, lebendig machendeWort erzeugt am Heiligen Geist in uns eine Resonanz, die der Glaube auf natürliche Art entstehen lässt.

Pfr. Jack E. Brush



 

Nehmen wir uns genügend Zeit für unsere Jugend und damit für unsere Zukunft?

Wir Erwachsenen haben die wundervolle Aufgabe, unseren Kindern in einer Vorbildfunktion voranzugehen im Umgang mit der Natur, den Tieren, den Menschen und ihnen zu zeigen, dass mit einer gegenseitigen Akzeptanz ein harmonisches Leben möglich sein kann – aber alle müssen darum bemüht sein. Wie stellt sich die Frage für die Kinder und Jugendlichen selber? Erhalten sie die Möglichkeit, ihre Ansichten einzubringen und mitzureden und mitzuentscheiden? Ich denke, es ist wichtig, Partizipation zu leben: Jugendliche an Entscheidungsprozessen oder an Handlungsabläufen teilnehmen zu lassen, damit sie stark werden und lernen, für sich und die Welt Verantwortung zu übernehmen. Wir sollten bereits mit den Kindern über solche Fragen sprechen und zusammen nachdenken und philosophieren. Besten Dank unserem Jugendarbeiter Marcel Tanner (Tel. 044 914 30 43 oder marcel.tanner@kuesnacht.ch), der sich mit viel Engagement für die Jugendarbeit in der Reformierten Kirchgemeinde Küsnacht einsetzt. Zusammen mit unseren Jugendlichen betreut er Projekte wie Mittagstisch und Nachhilfe, Konftreffs, Filmabende und Game Nights. So entsteht ein Netzwerk, das die Jugend verbindet.

Michael Dubs

Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich