

Die Gemeinde hat das Wort
Die Reformierte Kirchgemeinde Küsnacht führt dieses Jahr erstmals einen Gemeindesonntag durch. Das Thema ist «Heimat», und die Gastpredigerin ist Frau Regierungsrätin Dr. Ursula Gut-Winterberger.Das Wort «Heimat» ist umstritten. Die einen schreiben es sich auf ihre Fahnen, und die anderen führen es in heiklen Situationen im Mund; diese beanspruchen zu wissen, wo Heimat zu finden ist, und jene beklagen deren Verlust. Ist Heimat das, was uns vertraut und darum lieb und teuer ist? Fühlen wir uns dort zu Hause, wo wir uns nicht erklären müssen, wo wir uns auskennen, wo wir aufgehoben und zugehörig sind? Oder empfinden wir auch dort Heimatgefühle, wo wir fremd sind? So oder so – Heimat hat immer auch mit einer seelischen Befindlichkeit und mit Sehnsucht zu tun. Das Thema hat nicht nur individuelle und politische, sondern auch theologische Aspekte.
Deshalb greifen die reformierten Landeskirchen der Kantone Zürich und Aargau dieses Jahr das Thema «Heimat» auf und schlagen ihren Kirchgemeinden vor, dazu einen Gemeindesonntag durchzuführen. An diesem Sonntag sind einzelne Mitglieder der Gemeinde dazu aufgerufen, in eigener Regie Gottesdienste zu gestalten. Im Volksmund wird er deshalb auch Laiensonntag genannt. Im Kanton Aargau hat er schon eine längere Tradition, und auch in der Berner Kirche kennt man das selbständige Mitwirken der Gemeinde seit vielen Jahren als Kirchensonntag. Der Zürcher Kirchenrat fördert die Einführung von Gemeindesonntagen seit dem Bullinger-Jahr 2004. Ein solcher Sonntag bedeutet einen wichtigen Beitrag zum Gemeindeaufbau und ist eine besondere Chance, ein gesellschaftlich relevantes Thema aus Sicht der Kirchenbasis aufzunehmen und im Gottesdienst vertieft zu behandeln.
Die Reformierte Kirchgemeinde Küsnacht führt diesen Anlass erstmals am 2. November 2008, am Reformationssonntag, durch. Der Reformationssonntag eignet sich besonders gut, denn gegenüber der Tradition des Mittelalters hat uns die Reformation ein ganz neues Verständnis der kirchlichen Dienste gebracht. Das sogenannte «allgemeine Priestertum aller Gläubigen» betont die Eigenverantwortung jedes einzelnen Christen in Bezug auf Gott, sich selbst und die Gemeinde. Nicht nur der Pfarrer, sondern jedes Mitglied der Kirche hat die von Gott erteilte Vollmacht, dem Nächsten das Wort Gottes zu sagen und die frohe Botschaft des Evangeliums zu verkündigen. Im Rahmen des «allgemeinen Priestertums» sind wir alle – ob beruflich in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik oder Kirche tätig – Stellvertretende der Gemeinde im Dienst am Wort. Unsere Gastpredigerin wird dieses Jahr Regierungsrätin Dr. Ursula Gut-Winterberger sein, die sich zu unserer grossen Freude bereit erklärt hat, beim Auftakt des Gemeindesonntags in Küsnacht zu predigen. Die Schriftlesung wird von einer Kirchenpflegerin gehalten, und für die Fürbitte werden Jugendliche verantwortlich sein. Der zuständige Pfarrer wird für einmal nur im Hintergrund mitwirken und die liturgischen Übergänge gestalten.
Pfarrer Andrea Marco Bianca
Vernetzung in der GemeindeKürzlich lud der Küsnachter Gemeinderat zur traditionellen Behördenkonferenz ein: Ein Abend mit guten Gesprächen unter Behördenund Kommissionsmitgliedern, die sich an verschiedensten Orten für das Wohl der Gemeinde einsetzen. Das diesjährige Referat zum Thema «Aktive Kindheit – gesund durchs Leben. Bewegungsförderung bei Kindern – was können wir tun?», von Dr. Lukas Zahner vom Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität Basel, hat mir Denkanstösse gegeben. Die Kinder (nur Kinder?) bewegen sich heute weniger, was sich auf ihr Verhalten, ihre Gesundheit und ihre Zukunft auswirkt. Die aufgezeigten Zusammenhänge von Bewegung, Geschicklichkeit, Selbstvertrauen, Ängsten und Gruppenzugehörigkeit beeindruckten mich. Mir wurde einmal mehr bewusst, wie stark wir Erwachsene prägende Vorbilder sind bei alltäglichen Handlungen wie Essen, Trinken, Medienkonsum, Fortbewegung, im Umgang mit anderen und uns. Als Kirchenpflegerin bin ich mitverantwortlich und trage verbindlich dazu bei, dass sich in unserer (Kirch-) Gemeinde eine Vielfalt von Leben entfalten kann und unterschiedliche Menschen bei uns ihren Platz haben. Es ist mir wichtig, dass allfällige Spannungen und Konflikte offen und fair ausgetragen werden. Möge es mir gelingen, am Gemeindenetz verbindend zu knüpfen – damit dieses Halt gibt, aber nicht einengt. Margareta Hari-Wetli
