

Theater in der Kirche
Im November kommen als Beitrag zum Reformationssonntag und zur Friedenszeit in unserer Kirche der Zürcher Reformator Huldreich Zwingli und der Obwaldner Heilige Niklaus von Flüe zu Wort – beide aus der Sicht ihrer Frauen, in fiktiven Gesprächen, jedoch historisch getreu und überraschend aktuell.Zwingli war Pazifist. Seit er 1515 Glarner Söldnertruppen auf einem Kriegszug in Oberitalien begleitet hatte, kämpfte er gegen die schweizerische Söldnerpolitik, den Export von Waffen und Soldaten. Und doch zog er später in den Bürgerkrieg gegen die katholischen Innerschweizer und verlor dabei sein Leben. Wie war das möglich? Wie kam es dazu?
Das ist die zentrale Frage, die sich Zwinglis Frau Anna im Stück «Huldreich Zwingli zwischen Krieg und Frieden» von Walter J. Hollenweger stellt. In einem fiktiven Gespräch mit ihrer Tochter Regula zeichnet sie das Leben und die Theologie Zwinglis mit Zitaten aus seinen Originalschriften historisch genau nach.
Dabei wird die Spannung zwischen den reichen und armen Ländern, zwischen Männern und Frauen, zwischen den sogenannten Laien und den Theologen in Bildern und Erfahrungen zwischen den Zeilen spürbar und lässt ahnen, wie aktuell Zwinglis Theologie ist.
Mehr als 300 Jahre vor Marx wies er auf die strukturelle Ungerechtigkeit hin. Er rief nicht nur die Einzelnen zur Nächstenliebe auf, sondern machte aus theologischer Verantwortung heraus Handel und Wandel in der Gesellschaft, Krieg und Frieden in der Welt zum Gegenstand seiner liturgischen, religiösen und theologischen Arbeit. 400 Jahre vor der Gründung des ökumenischen Rates der Kirchen suchte er das Gespräch mit der katholischen Kirche.
450 Jahre vor der Gründung jüdisch-christlicher und islamisch-christlicher Dialogkreise führte er an einer christlichen Hochschule das Studium von Judentum und Islam, jüdischer heiliger Schriften und des Koran in den Ursprachen ein.
Vier Jahrhunderte vor den lateinamerikanischen Basisgemeinden traute er Laien theologischen Sachverstand zu und begründete eine theologische Erwachsenenbildung. Und obwohl sich unsere reformierte Kirche auf Zwingli beruft, ist vieles von dem in Vergessenheit geraten.
Der Monolog, in dem Jutta Gütermann und – in den Zitaten – Klaus Knuth Anna und Ulrich Zwingli ihre Stimme leihen, ruft es uns in Erinnerung und zeichnet ein eindrückliches kleines Lebensbild des Zürcher Reformators.
Vierzehn Tage später gewährt uns eine andere Frau Einblick in die religiöse Entwicklung ihres Mannes und was sein Weg in die Einsamkeit mit Gott für seine Familie bedeutete:
Renate Muggli inszeniert das Theaterstück «Ganz nah – und doch weit weg – Fragen an Dorothee von Flüe» von Clara Obermüller. Es ist unser Beitrag zur Friedensdekade, welche die Zürcher Kirche im November begeht; denn Niklaus von Flüe hat durch seinen Einfluss 1481 einen drohenden schweizerischen Bürgerkrieg verhindert.
Pfarrer Brigitte Crummenerl
Neue Kirchenordnung
In diesen Novembertagen wird die Kirchenpflege ihre Überlegungen zur neuen gesamtrevidierten Kirchenordnung der reformierten Kirche im Kanton Zürich abgeben. Nach der Verabschiedung des neuen Kirchengesetzes im Sommer 2007 geht es um die Ausgestaltung der Kirchenordnung. Nach der Vernehmlassung wird die Kirchensynode die Vorlage im Herbst 2008 beraten und dann folgt die obligatorische Volksabstimmung.
Inhaltlich finden sich wenig neue Elemente in der Kirchenordnung. Die bestehenden Strukturen der Landeskirche werden grösstenteils zementiert. Neue Elemente betreffen die Finanzierung: Die unveränderten staatlichen Mittel von 50 Millionen an die anerkannten Landeskirchen werden neu nach der Anzahl der Mitglieder berechnet. Die reformierte Kirche erhält neu 29 Millionen (vorher 41 Millionen). Dazu kommt die Verpflichtung der kantonalen Kirchen, einen Finanzausgleich mit einer ausgewogenen Steuerbelastung unter den Kirchgemeinden einzuführen. Ein lineares Steuerkraft-Ausgleichsmodell soll die heutige Spanne der Kirchensteuersätze einebnen. Etwa 13 finanzstarke Gemeinden werden die neue erweiterte Ausgewogenheit finanzieren müssen. Für unsere Kirchgemeinde bedeutet dies eine gewünschte Mehrablieferung an die Zentralkasse von 1,5 Millionen (Rechnung 2006 1,3 Millionen). Die Landeskirche rechnet für unsere Kirchgemeinde mit notwendigen Steuererhöhungen von 25 Prozent (neuer Plansteuersatz 8 Prozent). Das Ausmass der Mehrablieferungen überschreitet meines Erachtens allerdings eine Schmerzgrenze.
Gerhard Hubmann
