Malteser Kreuz
Reformierte Kirche Küsnacht
Leitartikel & Editorial    «info» November 2005
 

Spiritualität:
Mehr als ein Trend?


Zur Zeit liest man viel über «Spiritualität» – der Ausdruck
wird zum Modewort, das mit verschiedensten Inhalten gefüllt
werden kann. Die Reformierte Kirchgemeinde bietet deshalb zur Klärung eine dreiteilige Vortragsreihe an.


Die wachsende Bedeutung von Spiritualität ist unter anderem eine Reaktion auf den Stress der heutigen Leistungsgesellschaft. Viele stellen sich vermehrt Fragen nach dem Sinn ihres Lebens: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was macht mein Leben einzigartig? Der Ausdruck Spiritualität wird dabei mit erhöhtem Wohlgefühl sowie Wellness im allgemeinen in Verbindung gebracht. Was bedeutet Spiritualität aber tatsächlich? In Anlehnung an Lukas Niederberger, Leiter des Lassalle-Hauses, haben wir hier zehn Facetten des Spirituellen zusammengestellt, die Sie herausfordern sollen, unsere Vorträge zu besuchen:
1. Spirituell leben heisst eine Beziehung zu sich selbst zu haben. Dazu gehören eine gute Balance von Körper, Seele und Geist. Es bedeutet, den Blick nach innen zu richten an einen Punkt der Seele, wo der ruhende Pol erfahrbar werden kann.
2. Der spirituelle Mensch erkennt den Ursprung und das Mass für rechtes Tun und Lassen an einem Ort in sich selber, wo er mit Gewissheit weiss, was zu tun und was zu lassen ist.
3. Spiritualität heisst im Hier und Jetzt zu leben, ohne an der Vergangenheit zu hängen oder sich in Zukunftspläne zu flüchten.
4. Spiritualität zeigt sich auch in der Beziehungsfähigkeit. Sie bedeutet, Gefühle bewusst zuzulassen und zu befragen, so dass wir auch unter Spannungen das erkennen können, was uns in der Tiefe verbindet.
5. Der spirituelle Mensch trennt nicht zwischen religiösem Leben und weltlichen Dingen. Er erfährt die göttliche Dimension des Lebens in allen Menschen und in jeder Materie.
6. Eine spirituelle Haltung führt zu einer grossen Nähe zu allen Menschen und Dingen. Gleichzeitig versucht sie nicht festzuhalten, sondern eine gesunde Distanz zu bewahren.
7. Der spirituelle Mensch übt immer wieder eine Haltung des Nichtwissens ein. Er betrachtet das Leben als einen Such- und Lernprozess. Auch Misserfolg und Leiden führen zu mehr Einsicht, Weisheit und Mitgefühl.
8. Aus der Erfahrung, dass alles mit allem verbunden ist, handelt der spirituelle Mensch nachhaltig und bezieht auch die Konsequenzen für die Nachwelt mit ein.
9. Spirituelle Menschen suchen eine integrierende Vernetzung von Menschen, Themen und Gruppen. Sie ziehen die Kooperation der Konkurrenz vor.
10. Der spirituelle Mensch übt sich ein Leben lang im Loslassen – auch bezüglich des Lebens selbst. Dazu gehört auch die tägliche Einübung ins Sterben. Der spirituelle Mensch kämpft nicht gegen Leiden und Tod, sondern sieht sie als wichtige Schritte auf dem Weg.

Pfarrer Andrea Marco Bianca
Brigitte Lusti, sozial-diakonische Mitarbeiterin



 

«Gretchenfrage»Desinteresse oder Vertrauen? Diese Frage hat sich die Kommission für «Hilfe im In- und Ausland» angesichts einer ungewohnt niedrigen Besucherzahl am diesjährigen «Sonntag für Entwicklungszusammenarbeit»
gestellt.

Müssen wir das geringe Echo auf diesen früher stets überaus gut besuchten Anlass als Desinteresse deuten? Zugegeben, es gab an diesem sonnigen 11. September viele «ebenbürtige Veranstaltungen » in und um Küsnacht.
Oder war es das Thema «Sozial- und Beratungsangebote in und aus nächster Nähe», das sich für einmal «nur» mit der Schweiz und nicht mit «exotischen » Ländern befasste? An den Referaten kann es nicht gelegen haben – die Schilderungen über die Tätigkeiten der «Frauenzentrale Zürich», des «Tischlein deck dich» in Dietikon, der «Dargebotenen Hand» in Winterthur, Schaffhausen und Frauenfeld, und des «Schlupfhuus Zürich» haben die Zuhörerschaft sichtlich beeindruckt!
Vielleicht dürfen wir auch einfach davon ausgehen, dass ein geringeres Besuchsinteresse ein Zeichen des Vertrauens in die Arbeit der Kommission und in die Berichterstattung zu den Vergabungen sein könnte...? Wie dem auch sei, wir werden über die Bücher gehen und das «Wie, wann und wie oft» dieser Benefizveranstaltung überdenken.
Nicht unterlassen möchten wir es, allen Mitwirkenden noch einmal ganz herzlich zu danken – besonders Barbara Videtic und Sonia Oesch, die auf kulinarischer Ebene einmal mehr zum Gelingen des Anlasses beigetragen haben, und Claudia Denzler, deren rot-weisse Blumendekoration viel Freude bereitet hat. Marianne Guggenbühl
Mensch und Kirche
Evangelisch-reformierte Landeskirche Kanton Zürich