Leitartikel & Editorial «info» Februar 2007


Eine unbequeme Wahrheit
«Die Schöpfung – die lebende Natur – ist in Not», warnt der amerikanische Biologe Edward O. Wilson in seinem neuen Buch «The Creation. An Appeal to Save Life on Earth». Er fordert darin insbesondere Christen zur Rettung der Welt auf.Weshalb gerade Christen? Zum einen ist der Harvard-Professor als Baptist aufgewachsen und somit selber in der christlichen Tradition verwurzelt. Zum anderen hat er als renommierter Forscher erkannt, wie sehr die Zeit drängt: Durch menschliche Verschmutzung und Zerstörung droht eine Umweltkatastrophe biblischen Ausmasses. Insbesondere Christen, glaubt Wilson, wären dafür verantwortlich, diese Katastrophe zu verhindern.
Wilsons Appell erinnert an die Europäische Ökumenische Versammlung «Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung», die 1989 in Basel stattfand: Unter Beteiligung
breiter Kirchenkreise wurden Forderungen für einen «Frieden in Gerechtigkeit» für Mensch und Natur formuliert. Doch die damaligen Impulse zur Erhaltung von spirituellen und materiellen Ressourcen waren schnell verflogen: Die Sorge um Arbeitslosigkeit hatte Umweltanliegen lange verdrängt.
Doch jetzt scheint ein Umdenken stattzufinden. Al Gores Film «Eine unbequeme Wahrheit» über die wissenschaftlichen Hintergründe der Klimaerwärmung (siehe Besonderes) rüttelt auf. Viele Kirchen in den USA haben dadurch ihre Verantwortung für die Um- und Mitwelt entdeckt und sich ein Sorgetragen zur Natur – sogenannte «Schöpfungsfürsorge» – zur Aufgabe gemacht. Wilsons Appell erinnert denn auch an die Bibel. Der biblische Auftrag, als Menschen «über die Erde zu herrschen» (1. Mose 1,28 und Psalm 8,7) ist seit einigen Jahrzehnten in seiner Bedeutung umstritten: Was heisst hier «herrschen»? Der Berner Ethiker Hermann Ringeling macht deutlich, dass es im antiken Sinn als Königsherrschaft zu verstehen ist: «Der Mensch würde sein königliches Amt über die Erde darin gerade verfehlen, dass er die Kräfte der Erde ausbeutet...»
Wilson ist überzeugt, dass im direkten Kontakt mit der Natur Grundwerte für eine christliche «Schöpfungsfürsorge» erfahrbar werden: Liebe und Ehrfurcht vor der Schöpfung. Dass es sich dabei um Grundwerte handelt, bedeutet meines Erachtens: Es geht jetzt nicht um eine neue Modeströmung zum Schutz der Umwelt, sondern um eine neue Grundhaltung, die zu einer «Mitwelt-Ethik» führt.
Ein Hoffnungszeichen dafür ist der wieder häufigere Gebrauch des Wortes «Schöpfung » statt «Umwelt» in der Alltagssprache. Denn wer das vermeintlich neutrale Wort «Umwelt» statt des christlichen Begriffs «Schöpfung» verwendet, versteht sich als von seiner Mitwelt getrennt, erklärt Calvin DeWitt, Umweltwissenschafter an der Universität Wisconsin. Wer von «Umwelt» spricht, kann fragen: «Was ist wichtiger, der Mensch oder die Umwelt? Wenn wir von Schöpfung sprechen, wird klar, dass wir dazugehören. »
Christliche Schöpfungsfürsorge muss sich an ihre biblischen Wurzeln erinnern: Sie sollte konstitutiver Bestandteil einer Glaubenshaltung sein, die sich – als unbequeme aber notwendige Wahrheit – auch gegen Bequemlichkeiten durchsetzt.
Pfarrer Andrea Marco Bianca
FamiliengottesdienstFamiliengottesdienste finden in der Regel zweimal jährlich statt: der erste im Winterhalbjahr, der zweite zum Schulanfang im August. Bedauerlicherweise geben sie immer wieder zu Diskussionen Anlass und werden auch nicht im erhofften Mass besucht. Die Frage stellt sich: Mit welchen Erwartungen kommen Kinder, Eltern und rosseltern in die Kirche? Wie soll ein solcher Gottesdienst gestaltet werden, damit er alle Altersgruppen anspricht? Zwei Mitglieder der Kommission «Kind und Familie» bereiten mit der Dienst tuenden Pfarrpersonen
Gottesdienst vor. Dabei wird der erste Teil des Gottesdienstes mit den anwe-
senden Kindern gestaltet. Im zweiten
Teil werden die Kinder etwas zur Seite
genommen, damit in beschränktem
Umfang auch eine Ansprache an die
Erwachsenen möglich ist. Im Familien-
gottesdienst soll den Kindern die
Begegnung mit dem Evangelium,
aber auch mit dem Kirchenraum und
mit der Musik ermöglicht werden.
Mit einem neuen Konzept wird ver-
stärkt auf die familiären Gegebenhei-
ten Rücksicht genommen: Versuchs-
weise ist der Beginn auf 11 Uhr fest-
gesetzt. Den Kirchenkaffee als Ort der
Begegnung gibt es dann jeweils vor
dem Gottesdienst, ab 10 Uhr, im
Kirchgemeindehaus.
Ebenfalls für Familien gedacht sind
die Gottesdienste zum Drittklassun-
terricht. Sie beginnen zur gewohnten
Gottesdienstzeit, weil bei diesem An-
lass der anschliessende Apéro ein
wichtiges Element ist.
Käthi Freund-Müller
